Samstag, September 06, 2003

Das Blog "Deutsche Medien" zieht um. Und es heißt jetzt anders.

Die neue Web-Adresse ist:

http://medienkritik.typepad.com/

Ich habe auch den Namen geändert: "Deutsche Medien" war vielleicht etwas zu allgemein. Der neue Name:

Davids Medienkritik

Die wesentliche Änderungen:

- die Leser des Blogs können Kommentare zu den Einträgen abgeben;

- jeder Eintrag erhält eine eigene Web-Adresse ("url"), die durch Anklicken von "Permalink" aufgerufen wird (wichtig, wenn man jemand anderen auf den Eintrag aufmerksam machen möchte);

- im Anschluß an jeden Eintrag erfolgt in der Regel eine Zuordnung zu einzelnen Medien (klickt man auf den Namen eines Mediums, erscheinen alle Einträge zu diesem Medium).

Ich habe noch nicht alle Funktionen von typepad in Betrieb - das hoffe ich im Laufe der Zeit zu bewerkstelligen.

Natürlich freut es mich sehr, wenn Sie mir auch bei "Davids Medienkritik" die Treue halten.

Mittwoch, September 03, 2003

Was uns von den Amerikanern unterscheidet...
Was eigentlich sorgt für die unterschiedliche Bewertung des Irak-Krieges auf beiden Seiten des Atlantiks - oder präziser: zwischen den USA und Deutschland? Glaubt man den deutschen Medien, werden die Amerikaner von einer erzkonservativen, für die Komplexitäten der internationalen Diplomatie gänzlich verlorenen Regierung von Möchte-gern-Cowboys geführt. Bush: ein Vollidiot. Cheney: Lakai der Öl-Industrie. Rumsfeld: kalter Krieger, unbelehrbar. Wolfowitz: intriganter Hinterstuben-Machiavelli.

Nun hat eben dieser Wolfowitz, den die deutschen Medien so gerne mißverstehen (vgl. dieses Blog am 3. und am 12.6.03), gerade die US-Truppen im Irak besucht und darüber im Wall Street Journal ein Editorial verfaßt. Er schildert u.a. den Besuch einer Witwe eines Opfers des Anschlags auf das World Trade Center am 11.9.01 bei den im Irak stationierten US-Soldaten: "Not long ago, a woman named Christy Ferer traveled to Iraq along with the USO. She'd lost her husband Neil Levin at the World Trade Center on Sept. 11, and she wanted to say thank you to the troops in Baghdad. She wrote a wonderful piece about her trip, and in it, she wondered why our soldiers would want to see her, when they could see the Dallas Cowboy cheerleaders, movie stars and a model. When the soldiers heard that a trio of Sept. 11 family members were there, she found out why.
Young men and women from across America rushed to the trio, eager to touch them and talk to them. One soldier, a mother of two, told Christy she'd enlisted because of Sept. 11. Another soldier displayed the metal bracelet he wore, engraved with the name of a victim of 9/11. Others came forward with memorabilia from the World Trade Center they carried with them into Baghdad. And when it was Christy's turn to present Gen. Tommy Franks with a piece of steel recovered from the Trade Towers, she saw this great soldier's eyes well up with tears. Then, she watched as they streamed down his face on center stage before 4,000 troops.

To those who think the battle in Iraq is a distraction from the global war against terrorism . . . tell that to our troops."


Unmöglich, für so eine Passage Verständnis in den auf Zynismus und oberlehrerhafte Besserwisserei programmierten deutschen Medien zu finden.

Nachtrag: eine interessante Analyse der Differenzen zwischen USA und Europa findet sich in der New York Post. Zitat: "Europeans are correct when they insist that America has become a danger. We are, indeed, a tremendous threat to their self-satisfaction, to their dread of change, to their moral irresponsibility and to their dreary, state-supported cultures. Our ancestors chose a new kind of human freedom. Europeans have resisted it ever since."
FAZ als Staatsanwalt: Bushs Irak-Krieg planlos, hektisch, fehlerhaft
Die FAZ berichtet von einem von der Washington Times bekannt gemachten Geheim-Gutachten des Pentagon, das erhebliche Kritik an der Kriegsführung der US-Regierung enthalte.

Überschrift des FAZ-Artikels: Kritik an der Heimatfront: Hektisch und voller Fehler
Zitate aus dem Text: "Die Planungen der Bush-Administration für den Wiederaufbau Iraks sowie für die Suche nach Massenvernichtungswaffen sind nach einem geheimen Bericht aus amerikanischen Militärkreisen fehlerhaft und überstürzt ausgearbeitet worden. ... Zuvor waren bereits Berechnungen des amerikanischen Kongresses bekannt geworden, wonach die Vereinigten Staaten bei einer Beibehaltung ihrer jetzigen Militärstruktur den Irak-Einsatz deutlich zurückfahren müssen. ... Der demokratische Senator Robert Byrd, der die CBO-Studie angefordert hatte, kritisierte, die Regierung strapaziere die eigenen Soldaten im Irak bis zur Grenze ihrer Belastbarkeit. " Unterschrift zu einem Foto von Bush: Bush: "Ohne Plan in den Krieg?"

Der FAZ-Artikel liest sich wie die Beweisführung eines Staatsanwaltes, der von der Schuld des Angeklagten überzeugt ist. Alles, was gegen den Angeklagten spricht, wird aufgelistet. Entlastendes wird nicht genannt. Die - für Bush negativen - Schlussfolgerungen ("Ohne Plan in den Krieg?") ergeben sich logisch aus der einseitigen Zusammenstellung der Zitate des Pentagon- und des Kongress-Berichtes.

Was fehlt, sind die in dem von der Washington Times beschriebenen Pentagon-Bericht eben auch enthaltenen neutralen oder positiven Wertungen der Irak-Strategie der US-Regierung: "The next grade was "capabilities that demonstrated effectiveness, but need enhancement." Public affairs, special-operations forces, finding bombing targets and tracking the whereabouts of friendly troops received the grade. ... The highest marks came under the category of "capabilities that reached new levels of performance and need to be sustained and improved." Joint service warfare, a key war-fighting requirement of Mr. Rumsfeld, got this high grade, as did global war-gaming. ... The report also gave high marks to bombing "time-sensitive" targets. In the 2001 Afghanistan war, the report says, Gen. Franks and Mr. Rumsfeld had to approve the target list. But in Iraq, the command improved guidance and procedures so that commanders could launch strikes when targets emerged."

Die Irak-Strategie der US-Regierung wurde also in der Pentagon-Studie nicht generell als "hektisch und voller Fehler" bezeichnet. Hektik und Fehler gab es, aber nur in einigen Bereichen: ein für militärische Unternehmungen bekanntes Szenario. In anderen Bereichen wurden laut Gutachten durchaus positive Leistungen erbracht. Natürlich findet sich in der Pentagon-Studie auch nichts, was das FAZ-Urteil "Ohne Plan in den Krieg?" rechtfertigen würde. Es ist in der US-Politik durchaus üblich, zeitnah zu einer Aktion selbstkritische Analysen vorzunehmen und dann schnell Konsequenzen zu ziehen. Deutsche Medien - an diesen Politik-Ansatz nicht gewöhnt - brauen aus solchen Analysen ein übles Gemisch aus Verdächtigungen und Vorurteilen. Typisch die in eine Prognose versteckte Hoffnung der FAZ: "Der Pressebericht dürfte die Kritik an der Bush-Regierung wegen der immensen Kosten des Wiederaufbaus und der hohen Opferzahl unter den amerikanischen Soldaten nach dem von Bush Anfang Mai verkündeten offiziellen Ende der Kampfhandlungen weiter schüren." Wer hier schürt, ist die FAZ.

Nebenbei: ausgerechnet den demokratischen Senator Robert Byrd als Zeugen für die Kritik an der Bush-Regierung heranzuziehen, ist wirklich ein kleiner Edelstein des Kampagnenjournalismus. Byrd hat es sich zur Hauptaufgabe der Spätphase seiner Karriere gemacht, jeden Schritt der Bush-Regierung im Irak-Krieg ätzend zu kritisieren. Das wäre etwa so, als ob man im Ausland als glaubhaften Zeugen für den schlechten Zustand der CDU den SPD-Fraktionschef Müntefering zitierte. Aber soweit würden es ausländische Medien aus Sorge um ihre journalistische Ehre kaum treiben...

Die von der FAZ zitierte Untersuchung des "Congressional Budget Office" (CBO) (s.o.) weist übrigens auf Seite 28 aus, daß die aktuellen Kosten-Schätzungen der Irak-Besetzung im Vergleich zu einer CBO-Schätzung von vor einem Jahr NIEDRIGER liegen, sowohl in der Gesamtsumme, also auch auf einer Pro-Soldat-Basis. Im September 2002 schätzte die CBO die Kosten der Besatzung - je nach Truppenstärke - auf monatlich 1,4 - 3,9 Milliarden US-Dollar insgesamt bzw. auf 18,700 - 19,500 US-Dollar pro Soldat. Die Werte der aktuellen Schätzung vom September 2003: monatlich 1,2 - 1,6 Milliarden US Dollar insgesamt bzw. 14,900 - 17,200 US-Dollar pro Soldat. Die Unterschiede erklären sich zum wesentlichen aus präziseren Schätzmethoden: "That revised methodology yields estimates that are about 10 percent to 25 percent lower on a per-person basis than the estimates published in September 2002" (S. 28 des Berichts). Das CBO bezeichnet seine aktuelle Schätzung sogar als niedriger als die bisherigen Schätzungen des DOD (US-Verteidigungsministerium) (S. 30 des Berichts).

Noch einmal: die Besatzung wird BILLIGER als angenommen - aber die FAZ kommentiert die neuen Zahlen im Sinne einer unerfreulichen Überraschung bei den Kosten. Oh heilige deutsche Medien-Einfalt!

Sonntag, August 31, 2003

"Welt"-Korrespondent Uwe Schmitt: Anti-Bush, wie immer
Der Washingtoner "Welt"-Korrespondent Uwe Schmitt attackiert in einem polemischen Rundumschlag ("George W. Bush droht seinen "9/11"-Bonus zu verlieren") wieder einmal seinen Lieblingsfeind: US-Präsident George Bush. Zu seinen früheren Anti-Bush-Tiraden vgl. dieses Blog am 31.5.03.

Schmitt wendet die bewährte Kampagnenjournalisten-Masche der angeblich zunehmenden Probleme an: "Nach den Anschlägen im Irak schleicht sich unter den Amerikanern das Gefühl ein, die USA hätten sich übernommen ... George W. Bush scheint in Gefahr, seinen "9/11"-Bonus aufzuzehren ... wenn Zweifel und rhetorische Insubordination die eigene Mannschaft zu befallen scheinen ... Es geht das Gefühl um, die USA hätten sich übernommen: zu viel Ehrgeiz, zu viel Krieg, zu viel Alleingänge ... Amerikas Wirtschaft läuft nicht rund. Was für Erholung durchgeht, kostet Jobs, statt sie zu schaffen ... usw ... usw ... usw".

In Schmitts "Analyse" findet sich kein Hinweis auf die Ruchlosigkeit des abgelösten Saddam-Regimes, kein Wort über die strategische Bedeutung eines ausgeschalteten irakischen Regierungsterrors in einer Region, in der mit Syrien und Iran zwei weitere gefährliche Diktaturen - eine davon mit dem Streben nach nuklearen Erstschlagsfähigkeiten - residieren. Man sollte eigentlich meinen, das Haus Springer, für das Schmitt - noch - schreibt, würde publizistisch dem durch Irans Raketen gefährdeten Israel zur Seite stehen. (Und was die von Schmitt behauptete Notlage am Arbeitsmarkt betrifft, so können Euroland und speziell Deutschland nach OECD-Daten vom US-Wachstum nur träumen. Was gäben wir in Deutschland dafür, wenn wir statt 10,4 % Arbeitslosenquote nur - wie die USA - 6,2 % hätten...)

Nun kann Schmitt - allen kampagnenjournalistischen Schnörkeln zum Trotz - nicht ganz leugnen, daß die Amerikaner weiterhin Bushs Irak-Politik für richtig halten: "Umfragen von zwei Auftraggebern ermittelten zu Anfang der letzten Augustwoche klare Mehrheiten (55 zu 34 Prozent für CBS News; sogar 63 zu 35 für Gallup/CNN/USA Today), die meinen, der Irak-Krieg sei die Opfer wert gewesen." Auch bei einer ABC-Umfrage zeigt sich am 25.8.03 eine klare Mehrheit von der Richtigkeit der Irak-Politik der US-Regierung ("Public attitudes toward the situation in Iraq have stabilized after falling last month, despite last week's bombing of the U.N. compound in Baghdad and continued U.S. military casualties there, a new ABCNEWS poll finds.") Die Amerikaner lesen halt keine deutschen Medien...

Schmitt hätte wirklich keinen passenderen Zeugen für das Ende seines Anti-Bush-Elaborats finden können als Bob Herbert - ausgerechnet den New York Times-Kolumnisten, dessen Haß auf Bush fast schon neurotische Züge aufweist. Bush-Hasser zitiert Bush-Hasser - so schließt sich der kampagnenjournalistische Kreis.
Warum Israel die Hamas "erneut" bekämpft
Die Welt am Sonntag übernimmt am 31.8.03 eine AP-Meldung: "Israel tötet erneut zwei Hamas-Mitglieder". Warum wohl attackiert Israel "erneut" die Hamas?

Am 29.6.03, zum Beginn der vereinbarten Friedensperiode zwischen Israel und den Palästinensern, war in der Welt zu lesen: "Militante Palästinensergruppen erklären Waffenruhe - Hamas und Islamischer Dschihad kündigen an, alle anti-israelischen Angriffe sofort einzustellen. ... Diese „Straßenkarte“ verpflichtet die palästinensische Autonomiebehörde, die militanten Organisationen zu zerschlagen."

Seither haben sich die palästinensichen Friedensfreunde, gewissermaßen in der Nachspielzeit, noch ein paar Streiche erlaubt. Die palästinensische Autonomiebehörde unternimmt im Widerspruch zu ihren vertraglichen Verpflichtungen nichts oder zu wenig, um die Aktivitäten von Terroristen zu bekämpfen. Wenn es Terroristen ungehindert gelingt, nur 15 Meter von einer palästinensischen Polizeistation entfernt Raketen nach Israel abzufeuern, so ist dies Beleg für die Untätigkeit der Abbas-Regierung. Die Medien können es sich erlauben, über den Fortbestand der palästinensischen Terror-Infrastruktur hinwegzusehen - Israel, unter der Drohung der Ermordung seiner Bürger, kann es nicht. Daher die - auch präventiven - israelischen Aktionen.

Mittwoch, August 27, 2003

"Bushs Heimatfront bricht weg" - oder das Wunschdenken des SPIEGEL?
Dramatische Erkenntnisse des SPIEGEL: "Der Einsatz im Irak ruft in den USA wachsenden Widerwillen hervor, George W. Bushs Präsidentschaft steht am Scheidepunkt." Zumindestens in den Augen der streng parteiischen Auswahl der Amerikaner, die der SPIEGEL wahrnimmt. Zum Beispiel im New Yorker Stadtteil Cobble Hill, als die Gegner des Irak-Einsatzes in die Kirche "strömen". Der Ausdruck "strömen" verweist auf Busch-kritische Massen. Allerdings, ein wenig später im Artikel: "Es sind nicht viele gekommen, maximal 200 - doch TV-Teams aller Lokalkanäle dokumentieren ihren Protest." Das genau beschreibt die Manipulation der Medien-Wirklichkeit, deren Opfer wieder einmal die SPIEGEL-Leser werden.

Aber es sind natürlich auch richtige Schwergewichte anwesend: "Bürgermeister-Kandidat Charles Barron ist hier, zwei liberale Promi-Juristen und eine Ex-Kongressabgeordnete vom linken Rand der Demokraten. " Aber hallo, das ist doch wirklich eine Neuigkeit: sogar linke Demokraten protestieren gegen Bush! Natürlich darf die "Der Widerstand wächst"-Rethorik nicht fehlen: "Dennoch sendet die Friedensdemo ein Signal: Es ist die erste größere in New York City seit Wochen. Wie hier ist es überall im Lande - kleine, oft gerade gegründete Gruppen wie "Militär-Familien wehren sich" schüren den Protest. "

Aha. Dann gibt es allerdings noch repräsentative Meinungsumfragen, neben den selektiven SPIEGEL-Beobachtungen. Etwa die Umfrage der Washington Post von Mitte August 2003: "Public Opinion On Bush Stabilizes"... A solid majority (56 percent) of those surveyed approve of the way Bush is handling the situation in Iraq, and six in 10 said the war was worth fighting...Overall, 59 percent approve of the way Bush is handling his job. While his approval rating has dropped 18 percentage points since early April, his current level of support represents a good foundation as he begins the campaign year ahead."

Bush steht also in den Meinungsumfragen solide da, mit Werten, von denen Bundeskanzler Schröder nur träumen kann (ZDF-Politbarometer im August 03: "...fällt die SPD in der politischen Stimmung wieder zurück"). Schröders Heimatfront und das Wunschdenken des SPIEGEL brechen also weg - aber nicht Bushs Heimatfront.

Nachtrag: die Suche nach der vom SPIEGEL wahrgenommenen wegbrechenden Heimatfront von Bush gestalten sich schwierig. Auch Gallup findet nur gute Werte für Bush und seine Irak-Politik: "Americans Maintain Support for U.S. Presence in Iraq - Bush approval stable at 59%".

Donnerstag, August 21, 2003

taz jammert ueber "Kreislauf der Gewalt"
Der terroristische Mord-Anschlag in Jerusalem kennt einen Verantwortlichen: den Palaestinenser-Fuehrer Arafat. Er hat die Intifada in's Leben gerufen, und er verhindert ihr Ende. Hamas, islamischer Dschihad und die Al-Aksa-Brigaden laufen am langen Zuegel Arafats.

Die langjaehrige Motivationsarbeit Arafats steht auch hinter dem Jubel ueber den Anschlag bei Palaestinensern in libanesischen Fluechtlingslagern.

In unseren Landen gibt es immer noch nuetzlichen Idioten, die die wahren Verantwortlichkeiten verschleiern. So jammert Anne Ponger in der taz ueber den "Kreislauf der Gewalt, (der) von Friedensgegnern und Haudegen auf beiden Seiten immer wieder angekurbelt" werde. Das Bild vom "Kreislauf der Gewalt" taucht regelmaessig in deutschen Medien auf, wenn Terrorakte palaestinensischer Gruppen begangen werden. Ein Kreislauf - das ist wichtig - hat keinen Anfang, keine Ursache. Es gibt ihn einfach, und wenn ueberhaupt, sind "Haudegen auf beiden Seiten" verantwortlich.

Vielleicht schaut sich Frau Ponger einmal an, wen die palaestinensischen "Haudegen" bevorzugt attackieren: die israelische Zivilbevoelkerung, und da gerne auch mal Kinder.

Samstag, August 16, 2003

Urlaub...
Ich bin bis 23.8.03 verreist. In der Zeit gibt es keine Einträge. Danach - versprochen! - geht's wieder weiter. Über E-Mail bin ich aber weiterhin erreichbar, auch in der Zeit 16.8. - 23.8.:
deutsche_medien@yahoo.de .

Donnerstag, August 14, 2003

FAZ und Qualitätsjournalismus: es war einmal...
Es ist stets aufschlußreich, Berichte in deutschen Medien mit denen in ausländischen zu vergleichen - zumal, wenn sie sich auf die gleichen Sachverhalte beziehen.

Beispiel: die Affäre um den englischen Wissenschaftler Kelly und die Öffentlichkeitsarbeit der Blair-Regierung während des Irak-Kriegs. FAZ und die Times berichten am 13.8. beide über die Sitzung der Hutton-Kommission ("Hutton Inquiry") am 12.8. Vernommen wurden u.a. die BBC-Journalisten Andrew Gilligan und Susan Watts. (vgl. auch Eintragungen in diesem Weblog am 20.7.03 und am 2.8.03)

Für FAZ-Korrespondent Bernhard Heimrich geben die Ergebnisse der Vernehmungen Hinweise auf fehlerhaftes Regierungshandeln. Die Überschrift des Heimrich-Beitrags sowie die Kapitel-Überschriften belegen die Tendenz:

"Irak-Dossier eine Woche vor Veröffentlichung verändert" - "Brisante Aufzeichnungen" (von Gilligan) - "Widersprüche in Regierungsdarstellung"

Heimrich zitiert Gilligan und Watts, Kelly habe geklagt, "die Regierung habe Geheimdienstmaterial „nachgebessert", um dem widerstrebenden Parlament und der Öffentlichkeit den Feldzug plausibler zu machen. Eine weitere BBC-Journalistin, die in einer Fernsehsendung ähnlich berichtet hatte, konnte nicht nur eigene Aufzeichnungen vorlegen, sondern auch Mitschnitte von Telefongesprächen mit Kelly. Beide Zeugen beharrten, Kelly sei beunruhigt gewesen über die Art und Weise, wie die Regierung die Hinweise des Geheimdienstes für ihre Öffentlichkeitsarbeit benutzt habe."

Die Äußerungen der BBC-Journalisten werden von Heimrich nicht hinterfragt; er hat keine Zweifel an ihrer Richtigkeit. Seine Widergabe der Stellungnahme der Blair-Regierung hingegen wird sofort mit Gegenargumenten versehen, die deren Glaubwürdigkeit in Frage stellen: "Die Regierung hat dem von Anfang an heftig widersprochen und dargelegt, sie habe das Dossier nicht „nachgewürzt", und der Geheimdienst stimme mit dem veröffentlichten Text vollständig überein. Dieser Standpunkt hatte freilich schon im Lauf der ersten Befragungen am Montag einen zweifachen Widerspruch erfahren. Nach der einleitenden Befragung eines früheren UN-Waffeninspekteurs, mit dem Kelly 1991 im Irak gearbeitet hatte, hatten leitende Beamte das Wort: Richard Hatfield, der Personalchef des Verteidigungsministeriums; Martin Howard, der stellvertretende Leiter der Geheimdienstabteilung des Ministeriums; Patrick Lamb, der stellvertretende Leiter der Abteilung des Außenministeriums, die sich mit der Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen beschäftigt; und Julian Miller, ein leitender Beamter des Verbindungsstabes zum Geheimdienst im Kabinettsbüro. Dabei war nicht nur bestätigt worden, daß Kelly ein international anerkannter Fachmann auf seinem Gebiet war und die höchste Sicherheitsstufe des Geheimdienstes besaß. Sogar die amerikanische CIA habe seine Mitarbeit angefordert. Zutage kam auch, daß zwei weitere leitende Mitarbeiter des Geheimdienstes ähnlich beunruhigt waren wie Kelly und ihren
Widerwillen gegen die Behandlung des Materials durch die Regierung intern zu Protokoll gegeben hatten. Das widersprach der Version, die am Beginn der Affäre von der Regierung in Umlauf gebracht worden war: Kelly sei ein unwichtiger "mittlerer Beamter", der nicht gewußt haben könne, über was er rede."


Der gleiche Sachverhalt - die Tagung der Hutton-Kommission am 12.8. - erfährt in der Kommentierung der "Times" eine gänzlich andere Deutung. Die BBC wird scharf kritisiert, die Blair-Regierung nicht: "What Lord Hutton learnt yesterday, however, reinforces questions about the conduct of the BBC that the judge will doubtless wish to reflect upon.

David Kelly met Mr Gilligan at the journalist’s request and the two shared only an Appletise and a Coke at the Charing Cross Hotel. In other words, the exchange was a meeting to brief the journalist, not a convivial lunch at which information was exchanged. This makes it surprising that Mr Gilligan appeared not to have a notebook and recorded the meeting imperfectly on a PalmPilot. It is also unfortunate that he is now unable to locate the manuscript notes he made after the event.

The importance of this observation about unorthodox reporting practice is reinforced by the revelations made yesterday about the attitude of Mr Gilligan’s very capable editor at the Today programme, Kevin Marsh. The latter clearly has serious doubts both about Mr Gilligan’s general work and about the specific story at issue in the Hutton inquiry.

He believed the Today item was “marred by flawed reporting”, by “loose use of language”, and by “lack of judgment in some of his [Gilligan’s] phraseology”. He ascribed these mistakes to the reporter’s loose relationship with the programme’s management and proposed a raft of changes that suggest that Mr Marsh felt Mr Gilligan should be more closely supervised.

Mr Marsh’s reasonable doubts about Mr Gilligan and his report make the BBC’s decision to conduct a battle with the Government in defence of both of them highly questionable. The governors themselves shared at least part of the Today editor’s reservations. Lord Hutton and the BBC itself will surely be considering carefully whether it was wise to persist with this battle as a matter of supposed principle.

The BBC will doubtless have found some comfort in the evidence of Newsnight’s thoroughly professional Ms Watts. She confirms that Dr Kelly did indeed mention Alastair Campbell when talking of the way in which the “45-minute” claim had appeared in the Government’s intelligence dossier. Yet Ms Watt’s evidence is not as helpful to the BBC as it might hope. She chose to ignore the mentioning of Mr Campbell’s name because she had no reason to believe that Dr Kelly had enough access to be a reliable source for this information.

For this reason one other document may be regarded by Lord Hutton as extremely significant. It is an internal programme memo which may refer to the Kelly item and records that “Gilligan has v[ery] good story he hasn’t stood up yet”. This was dated a few days after the journalist’s meeting with Dr Kelly. At that time all involved appeared to know that Mr Gilligan’s source could not be used alone since it was not an adequate foundation for the allegation. There is no suggestion that he found any other corroboration of this single source. Yet the story was broadcast and even the element or two that Mr Gilligan now concedes were flawed had never been formally retracted.

At least Ms Watts provided evidence of the quality journalism the BBC Governors should rush to defend."


Quintessenz des Times-Kommentars: Der BBC-Journalist Gilligan praktizierte einen fragwürdigen Journalismus ("unorthodox reporting practice "); der Leiter der BBC-Redaktion, für die Gilligan seinen Bericht produzierte, distanziert sich von Gilligan; die BBC-Journalistin Watts mißtraute zentralen Äußerungen von Kelly und publizierte sie nicht; Gilligan hat sich nicht an den journalistischen Brauch gehalten, eine zweite Quelle zur Verifizierung der Kelly-Behauptungen zu suchen.

Fazit: die FAZ übernimmt kritiklos die Darstellung eines BBC-Journalisten, dessen Recherchepraktiken der renommierten "Times" - und sogar der BBC selbst - äußerst fragwürdig erscheinen. Wie es scheint, weiß Gilligan nur noch die FAZ hinter sich...

Dienstag, August 12, 2003

Bundesminister Fischer verurteilt Terroranschläge in Israel - und benennt keine Schuldigen

Wieder einmal werden israelische Zivilisten Opfer von Terroranschlägen, aber von den Tätern hat man im deutschen Aussenministerium keine Ahnung. Diesen Eindruck jedenfalls vermittelt die Stellungnahme von Joschka Fischer zu den heutigen Terroranschlägen, die zwei Israelis (und die Attentäter) das Leben kostete: "Die Bundesregierung verurteilt die verbrecherischen Terroranschläge, denen heute in Israel unschuldige Menschen zum Opfer gefallen sind, auf das Schärfste. Den Angehörigen der Opfer gehört unser Mitgefühl, den Verletzten wünschen wir schnelle und vollständige Genesung. In den vergangenen Wochen sind beide Seiten entscheidende und mutige Schritte auf dem Weg des Friedens gegangen – diese dürfen auf keinen Fall scheitern und müssen entschlossen fortgesetzt werden. Alle Verantwortlichen sind aufgerufen, weiterhin mit Nachdruck für die Perspektive einer friedlichen, politischen Lösung des Konflikts einzutreten; Terror und Gewalt dürfen nicht wieder die Oberhand gewinnen".

Deutsche Friedenspolitik pur: hilfloses Beklagen des Attentats, Gutmenschen-Versicherung des Mitgefühls, Appelle an Friedlichkeit - das volle Betroffenheitsprogramm. Nur eines fehlt, wie immer in solchen Fällen: die Benennung der Tätergruppen. Und da muß man eigentlich nicht lang suchen. Die Hisbollah ruft offen zum Terror auf, und die Hamas sowie Arafats Al Aksa-Brigaden.

Übrigens sind deutsche Medien nie um die Benennung von Schuldigen verlegen, wenn es um Kritik an Israel geht. Die Kampagne gegen den Bau eines Sicherheitszauns um die West Bank läuft bei uns auf vollen Touren. Aber: ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, um die Notwendigkeit des Zauns zu demonstrieren (Text: "Wie unnachbarlich von denen!").

Nachtrag: Die britische Regierung ist weniger zurückhaltend bei der Benennung der Täter. Terroristen werden dort Terroristen genannt: "The British Government condemns terrorism in all its forms, and the perpetrators of these horrific attacks deserve the full condemnation of the international community. ... The only suitable response to the actions of the extremists is for both sides to press ahead with determination to implement the roadmap and end the bloodshed. To do otherwise would be handing victory to the terrorists."

Montag, August 11, 2003

In der FAZ weiß die Rechte nicht, was die Linke schreibt...
In der Print-Ausgabe der FAZ vom 8.8.03 kommentiert Peter Lückemeier ein Interview des Kindermörders Magnus Gäfgen mit dem "Tagesspiegel": "Da kommt die Galle hoch". Lückemeier ist verbittert: "Wie bitte? Magnus Gäfgen hat ein Interview gegeben? Der geständige und zu lebenslanger Haftstrafe verurteilte Mörder Jakob von Metzlers gewährt huldreich einer deutschen Tageszeitung Einblick in seine Gedankenwelt? Wie nett von ihm! Und wie freundlich von der Berliner Tageszeitung "Der Tagesspiegel", ihn nach seiner Befindlichkeit zu befragen. Richter Hans Bachl hatte - warum eigentlich? - das Interview gewährt. Es fand schriftlich statt. Die Zeitung, beileibe kein Revolverblatt, sieht sich deshalb auch zu dem Hinweis bemüßigt, spontane Einwendungen als Korrekturen zu den Äußerungen Gäfgens seien nicht möglich gewesen. Dennoch hat sie das Interview gedruckt.

Liest man es, erfaßt selbst gemäßigte Naturen das Grauen. Gäfgen wird Gelegenheit gegeben, sich mal zerknirscht, mal weinerlich zu geben. ...
Es kommt einem die Galle hoch. Aber nicht nur wegen der quengeligen Einlassungen eines Mörders, sondern auch wegen der Unverfrorenheit, ein solches "Interview", das ohne Gegenrede ja keines ist, zu veröffentlichen. "Der Tagesspiegel" hat beziehungsreich darauf verwiesen, Gäfgens Anwalt habe Revision gegen das Urteil angekündigt. Was wohl andeuten soll, der Fall sei nicht ausgestanden. Moralisch ist er es längst. In einem Rechtsstaat ist der Ort des Verhandelns von Untaten der Prozeß. In Zeitungen hat man Mördern kein Forum zu bieten. Damit verhöhnt man das Opfer."


Natürlich hat Lückemeier recht - das wortreich entschuldigende, auf gesellschaftliche Mitschuld verweisende Täter-Mitleid in deutschen Medien ist ein Skandal. Guter Kommentar.

Doch dann, einige Seiten weiter, im Feuilleton der FAZ, am gleichen Tag. Ein dicker 3-Spalter: "Wir wissen noch nicht genug". Der "Frankfurter Emeritus für Strafprozeßrecht und Kriminologie" Klaus Lüderssen darf verständnisheischend das herbe Schicksal Magnus Gäfgens beschreiben und beklagen. Der Vorspann zitiert die Kritik Gäfgens aus dem "Tagesspiegel"-Interview, als handele es sich um ein maßstab-setzendes Dokument und kündigt den folgenden Artikel mit den Worten an: "Kritik an der gutachterlichen Seite des Prozesses übt hier auch Klaus Lüderssen...". Der Mörder und der Emeritus im gleichen Boot - eine schöne Entgleisung des FAZ-Feuilletons. Der Lüderssen-Artikel liest sich wie eine Vorlage für die Revision der Gäfgen-Verteidigung. Anstelle einzelner Passagen hier nur der bandwurmförmige Schluß: "Zu wünschen ist jedenfalls, daß in der Öffentlichkeit, welche zu triumphieren scheint angesichts eines Urteils, das nach den Voraussetzungen, die unser Strafrecht dafür aufstellt, schärfer nicht sein konnte, auch Stimmen laut werden, die den Gerichten Mut machen, sich einem Strafrechts- und Strafprozeßrechtsverständnis zu öffnen, das Platz schafft für zusätzliche ernsthafte Expertisen, und die Verteidigung sollte sich dieser Entwicklung nicht im Namen jener - manchmal - angebrachten Devise von der liberalisierenden Funktion des Nichtwissens verschließen, sondern der Erfahrung vertrauen, daß à la longue die Geschichte des aufgeklärten, um Verstehen bemühten Strafprozesses auch die seiner fortschreitenden Humanisierung ist".

Übrigens, auch bei der FAZ zu lesen: "Wie der elfjährige Jakob von Metzler am 27.September vergangenen Jahres nach dem letzten Schultag vor den Herbstferien in eine Wohnung in Frankfurt-Sachsenhausen gelockt wurde und dort einen qualvollen Erstickungstod erlitt, wie der Bankiersfamilie das Erpresserschreiben in die Einfahrt geworfen und wenig später die Leiche als Paket verschnürt in einem Weiher im Vogelsberg versenkt wurde, wie der Täter anschließend bei den eigenen Eltern zu Mittag aß, als sei nichts geschehen - die Hauptverhandlung hat das Schreckensgemälde vervollständigen können."

Der "Weisse Ring" hat schon recht: "Stand schon während der Prozessberichterstattung die Person des Täters Magnus G. im Blickpunkt des öffentlichen Interesses, so muss die jüngst im Berliner Tagesspiegel erschienene und vom Vorsitzenden Richter einer Schwurgerichtskammer genehmigte Täterstory geradezu als Verhöhnung des Leids der Hinterbliebenen des Mordopfers empfunden werden."

An der Verhöhnung des Leids der Hinterbliebenen des Mordopfers hat sich auch das FAZ-Feuilleton beteiligt, wie schon beim Susan Sontag-Kommentar zum 11.9.01. Traurige Tradition.

Freitag, August 08, 2003

Der STERN: Simply the Worst

Tina Turner rühmt ihren Freund als "simply the best". Wir haben das genaue Gegenteil in der deutschen Medienszene: der STERN ist "simply the worst". Man kann nur den Hut ziehen vor der Fähigkeit von Andreas Petzold, STERN-Chefredakteur, ein Editorial zur amerikanischen Irak-Politik jenseits jeglichen Verständnisses für die strategischen Rahmenbedingungen des Konfliktes zu verfassen. In "148 000 Mann gegen Saddam Hussein" fehlt es an keinem Vorurteil gegenüber den Amerikanern:

"Ihn zur Strecke zu bringen scheint für die 148 000 uniformierten Amerikaner im Irak wichtiger zu sein als die Sorge um ein geschundenes Volk, wichtiger auch als die nachträgliche Rechtfertigung für einen fragwürdigen Krieg, dessen offizieller Grund ein Konstrukt aus Lügen war, das krachend zusammenbrach. Aber Bush klopft sich nur den Staub aus dem Anzug und gibt sich einem Allmachtsgefühl hin, das ihn gegen jede Form der Selbstkritik immunisiert. ... Ohne den Vorwand, Hussein verfüge über Massenvernichtungswaffen, hätte dieser Krieg wohl kaum begonnen werden können. Diese Lüge ist neuer, dauerhafter Brennstoff für die antiamerikanische Fackel in der arabisch-islamischen Welt. Sie sorgt schlimmstenfalls für neuen Zulauf in die Lager der bin Ladens dieser Welt. Und das macht aus dem militärischen Sieg eine moralische und politische Niederlage."

Petzold übersieht - er will es übersehen -, daß der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (und nicht ausschließlich die US-Regierung) stets die Vermutung hegte, der Irak Saddam Husseins verfüge über Massenvernichtungswaffen. Wenn diese Vermutung eine Lüge war, dann sind nicht nur die Regierung der USA, sondern auch die Deutschlands, Frankreichs und Russlands Lügner. Deutschland, Frankreich und Russland waren allerdings bereit, das Risiko "auszusitzen", die US-Regierung war es, aufgrund der Erfahrungen vom 11.9.01, nicht.

Inzwischen gibt es noch keine öffentlich gemachten Beweise für Massenvernichtungswaffen im Irak. Die Iraker hatten Flugzeuge im Sand vergraben - warum sollten sie das nicht auch mit Chemikalien zur Erstellung von Massenvernichtungswaffen gemacht haben? Allerdings gibt es jetzt schon jede Menge Beweise für Massengräber im Irak (vgl. dieses Blog vom 17.6.03).

Und es gibt Beweise für eine Entwicklung zum Guten im Irak - ein Faktum, das in den deutschen Medien quasi gewerbsmäßig verschwiegen wird. Die Versorgung mit Strom, Wasser, Benzin verbessert sich zunehmend. Viele Schulen und Kindergärten funktionieren wieder, ohne die Propaganda der Bath Partei. Und die Amerikaner werden in den Dörfern, die sie aufsuchen, von der Bevölkerung freundlich empfangen: "The work we do is very rewarding. We get to develop close relationships with people from all different levels in society. For many of these villages, we are the first U.S or Coalition forces they have ever seen. In every village we assess kids swarms us, asking a million questions that we can't understand. Our translator tries, but is overwhelmed. Everyone here does know at least three phrases in English: "Hello Mister!", "What is your name?", and "How old are you?". Once they say all that, they usually stare at you for a while. Everyone we have met has been very friendly, and very appreciative".

Übrigens ist das plötzliche Ableben der beiden Saddam-Söhne, über das bei deutschen Medien tiefe Betroffenheit eintrat, als Folge der US-Invasion auch nicht unbedingt ein Nachteil, wie diese beiden Videos einer Folterung durch Udai zeigen. Achtung: der download kann sich hinziehen (bei 64 Kbit/s so ca. 8 - 10 Minuten), und das Erlebnis ist nicht unbedingt aufbauend. Gut, dass der STERN seinen Lesern solche Szenen vorenthält...
Blogger mit Problemen (Fortsetzung)
Ich habe fast eine Woche mit dem bloggen ausgesetzt - die Probleme mit Blogger bzw. Blogspot waren die Ursache. Ausserdem gestalten sich die Einrichtungsarbeiten für den Wechsel zu einem neuen Provider etwas kompliziert... Aber in der nächsten Woche sollte es klappen!

Ich muß jetzt nach und nach die Meldungen ausarbeiten und einstellen, die sich in der letzten Woche angesammelt haben. Für mangelnde Aktualität im einen oder anderen Fall bitte ich um Verständnis.

Samstag, August 02, 2003

Test-Meldung / Blogger mit Problemen
Zur Zeit sind keine Einträge möglich. Ich bemühe mich, bis zum Wochenende ein neues Weblog unter einer anderen Adresse einzurichten.
Bitte schauen Sie wieder vorbei: ich trage dann hier die neue Web-Adresse ein.
BBC in Schwierigkeiten, aber bei uns merkt's keiner
In der Auseinandersetzung zwischen BBC und der Blair-Regierung (vgl. unser Blog vom 19., 20., 22.7.03) gibt es nun Nachrichten, die die BBC und ihren Reporter Andrew Gilligan in Schwierigkeiten bringen. Es ist eine Notiz von David Kelly aufgetaucht, die die Berichterstattung von Gilligan massiv in Zweifel zieht:

"His (Kelly's) letter said he could "only conclude one of three things" - Mr Gilligan had "considerably embellished" what he had been told, or had met other people who "truly were intimately associated" with the dossier, or had "assembled comments from both multiple direct and indirect sources"."

Kelly dementiert also, daß er als Quelle für den BBC-Bericht in Frage komme - das Gegenteil dessen, was die BBC behauptet.

Kommentar der "Financial Times": "If correct, this conclusion could prove very damaging for the BBC."

Von all' dem hat der SPIEGEL - nach Selbstauskunft ein "Synonym für investigativen Journalismus" - noch nichts bemerkt. Der SPIEGEL zirkuliert unverdrossen weiter die angebliche Kelly-Behauptung, von der dieser sich distanziert hatte: "So berichtete die BBC unter Berufung auf ihren Gewährsmann, dass Blairs Büro entgegen den Zweifeln von Experten darauf bestanden habe, zur Begründung des Irak-Kriegs darauf zu verweisen, dass der Irak innerhalb von 45 Minuten Massenvernichtungswaffen einsetzen könne."
Das beeindruckt mich an den angelsächsischen Medien (BBC ausgenommen): daß sie mitten in einer Kampagne gegen die Regierung auch einmal Tatsachen berichten, die gegen die zentrale These dieser Kampagne laufen. Aus Deutschland wäre derartiges nicht zu berichten. Da wird geholzt und gebolzt bis zum bitteren Ende oder bis eine andere Sau durch's Dorf getrieben wird - was immer zuerst kommt...

Freitag, August 01, 2003

Darauf bin ich schon ein wenig stolz...
Ich hatte meinen Eintrag vom 30.7.03 "Reuters landet kleinen Kampagnenjournalisten-Coup" an's Wall Street Journal gemailt, an die Rubrik "Best of the Web", natürlich in einer englischen Version. Freudige Überraschung: das WSJ hat meinen Hinweis in seinen Newsletter und auf die Web Site übernommen! Ob davon im Archiv unter dem 31.7.03 etwas verbleibt, wird man sehen müssen.

Reuters wird in der von mir initiierten Meldung vom Wall Street Journal als "the anti-American 'news' service" bezeichnet. Diese Amerikaner haben aber auch manchmal wirklich eine Art, die Dinge beim Namen zu nennen...

Ich kann übrigens den täglichen Newsletter "Best of the Web" nur empfehlen. Anmeldemöglichkeit hier, oben rechts ("Get via E-Mail").

Donnerstag, Juli 31, 2003

Nachtrag Reuters
Parteilichkeit in Reuters-Meldungen ist wohl nicht auf US-Politik beschränkt. Auch im israelisch-palästinensischen Konflikt scheint Reuters nicht die Mittellinie einzuhalten, sondern in Richtung palästinensischer Positionen zu tendieren.

So direkt wie hier ist selten eine Nachrichtenagentur beim Schummeln erwischt worden...
Immer mehr Amerikaner kritisieren Bush...
NICHT, sondern unterstützen seine Irak-Politik. 60 % sagen: Bush macht das richtig. Das ist der höchste Wert im Juli.

Die Amis lesen halt keine deutschen Medien...

Mittwoch, Juli 30, 2003

Reuters landet kleinen Kampagnenjournalisten-Coup
Reuters meldet:
Bush: Übernehme Verantwortung für Aussagen über Irak.
Washington (Reuters) - US-Präsident George W. Bush hat am Mittwoch erstmals persönlich die Verantwortung für umstrittene Vorwürfe gegen den Irak übernommen, wonach das Land vor dem Krieg versucht haben soll, in Afrika Uran zum Bau von Atomwaffen zu kaufen. Die Äußerungen, die als Beleg für die Bedrohung für die USA durch den Irak herhalten sollten, hatten für Wirbel gesorgt, nachdem die USA eingeräumt hatten, dass diese teilweise auf gefälschtem Material basierten. "Ich übernehme die persönliche Verantwortung für alles, was ich sage", sagte Bush auf die Frage nach den von ihm während seiner Rede zur Lage der Nation Ende Januar erhobenen Vorwürfe. ... Bush hatte es bis zuletzt abgelehnt, persönlich Verantwortung für die Äußerungen zu übernehmen und war deshalb kritisiert worden.


Reuters erweckt also den Eindruck, Bush habe eine Form von Geständnis abgelegt - ein Geständnis, das er "bis zuletzt abgelehnt" hatte. Schaut man auf den tatsächlichen Wortlaut der Äußerungen Bushs, kommt ein anderes Bild zutage. Bush hat - am 30.7.03 - eine Pressekonferenz mit einem längeren Statement begonnen und ging dann auf Fragen von Journalisten ein:

THE PRESIDENT: Kate.

Q That's right. Thank you, Mr. President.

THE PRESIDENT: How long have you been -- how long have you been in the press corps? You look like you just came.

Q Last week was my first week.

THE PRESIDENT: Yes, congratulations.

Q Thank you.

THE PRESIDENT: Be careful whose company you're keeping, though. (Laughter.)

Q Mr. President, you often speak about the need for accountability in many areas. I wonder then, why is Dr. Condoleezza Rice not being held accountable for the statement that your own White House has acknowledged was a mistake in your State of the Union address regarding Iraq's attempts to purchase uranium? And also, do you take personal responsibility for that inaccuracy?

THE PRESIDENT: I take personal responsibility for everything I say, of course. Absolutely. I also take responsibility for making decisions on war and peace. And I analyzed a thorough body of intelligence -- good, solid, sound intelligence -- that led me to come to the conclusion that it was necessary to remove Saddam Hussein from power.

We gave the world a chance to do it. We had -- remember there's -- again, I don't want to get repetitive here, but it's important to remind everybody that there was 12 resolutions that came out of the United Nations because others recognized the threat of Saddam Hussein. Twelve times the United Nations Security Council passed resolutions in recognition of the threat that he posed. And the difference was, is that some were not willing to act on those resolutions. We were -- along with a lot of other countries -- because he posed a threat.

Dr. Condoleezza Rice is an honest, fabulous person. And America is lucky to have her service. Period.



Das also ist die Wahrheit: Bush hat in einem lockeren Austausch mit einer Journalistin die Selbstverständlichkeit betont, daß er für alles, was er sagt, die Verantwortung übernimmt. Er spricht von "guten, soliden, gesunden Geheimdienstinformationen", die ihm vorgelegen hatten. Und dann begründet und verteidigt er nochmals seine Entscheidung, Saddam Hussein zu stürzen.

Wie Reuters aus dieser völlig unveränderten Position Bushs ein überraschendes Eingeständnis zu einer bislang nicht übernommenen Verantwortung basteln kann, ist schon ein kleines Meisterstück des Kampagnenjournalismus, ein richtiges kleines Juwel!

CNN meldet übrigens:
Bush defends record on Iraq, intelligence, economy
...President Bush on Wednesday declared that he takes "personal responsibility" for everything he says and predicted history would prove his actions were justified.

Die Gewichtungen sind hier deutlich anders, auch wenn natürlich CNN aus der beiläufig geäußerten Selbstverständlichkeit Bushs immer noch zuviel Aufhebens macht.

Reuters Deutschland hatte die o.g. Meldung von der US-Version - gekürzt - übernommen.

Chapeau, Reuters!
Mauer oder Zaun? Die FR hat Schwierigkeiten...
Die Frankfurter Rundschau weiß nicht so recht, ob Israel eine Mauer oder einen Zaun baut: "...der strittige Mauerbau...das Land fressende Zaunprojekt". Was immer es ist: das Ding, Mauer oder Zaun, soll vor palästinensischen Terroristen schützen. Gibt's die überhaupt, die Terroristen? Naja, jedenfalls lernen die Palästinenser den Nachwuchs schon frühzeitig an. Hübsch auch der Patronen-Halsschmuck. Wenn die kids dann größer sind, dürfen sie auch schon mal richtig ran (man beachte die dargestellte Ermordung israelischer Soldaten im Hintergrund).

Wofür Israel eine Mauer oder einen Zaun braucht? Hmmm...liebe Frankfurter Rundschau: wofür wohl?

Übrigens war die FR früher über die DDR-Mauer nie so recht empört...

PS: Das Ding sieht eigentlich eher nicht wie eine Mauer aus...

Nachtrag: Der kleine palästinensische Kämpfer sieht auch nicht übel aus. Früh übt sich...

Montag, Juli 28, 2003

Nachtrag: Deutsche Medien tief betroffen über Tod der Saddam-Söhne
Unverzeihlich, daß wir den SPIEGEL in der Aufzählung der Medien vergessen haben, die sich im Zusammenhang mit dem Tod der Saddam-Sprößlinge tief betroffen zeigten. Ein Einleitung im besten Kampagnenjournalisten-Stil: "Die Veröffentlichung der Fotos der getöteten Saddam-Söhne Udai und Kussei hat weltweit Kritik und Empörung hervorgerufen. Medienwissenschaftler und Völkerrechtler halten das Vorgehen der USA für äußerst problematisch."

Sind das nun alle Medienwissenschaftler und Völkerrechtler, die das Vorgehen der USA für äußerst problematisch halten? Falls nicht: sind es wenigstens die wichtigsten? Antwort: beide Male "nein". Zitiert wird als einziger Völkerrechtler der Hans-Joachim Heintze, "Dozent am Institut für Friedenssicherungsrecht und humanitäres Völkerrecht in Bochum". Als Medienwissenschaftler debüttiert: Freimut Duve, früher SPD-MdB vom linken Rand (vgl. unsere Meldung vom 25.7.03). Und dann gibt es noch den "Medienwissenschaftler" Weischenberg (auch hierzu vgl. unsere Meldung vom 25.7.03). Das war's. Das steht hinter der dramatischen Ankündigung von den "Medienwissenschaftlern und Völkerrechtlern", die für die "weltweite Kritik und Empörung" stehen. Heilige Einfalt!

Man wagt nicht zu ahnen, welche menschenrechtlichen Belange "Medienwissenschaftler und Völkerrechtler" im SPIEGEL beschädigt sehen, sollte Saddam Hussein aus US-Waffen ein Leids geschehen...

Freitag, Juli 25, 2003

Der Tod der Saddam-Söhne: was haben die Amis da wieder falsch gemacht?
Die vielleicht sympathischste Meldung zum Tod der Saddam-Söhne Uday und Qusay erschien in der Überschrift der englischen SUN: Brothers were killed in loo (Brüder im Kloo getötet). Man kann sich schwerlich eine gerechtere Strafe für die beiden Massenmörder vorstellen, als ein Ende "in a filthy loo".
Und natürlich beginnt in deutschen Medien schon wieder die Suche nach den schuldigen ... Amerikanern. Die "Tagesthemen" der ARD gruben Freimut Duve aus, einen notorisch erfolglosen ehemaligen SPD-MdB, der nun sein Gnadenbrot als "Medienbeauftragter" der OSZE verzehrt. Duve vermochte es, sich in die Gehirne der Iraker zu versetzen. Was fand er dort? Überraschung: Kritik AN DEN AMERIKANERN! Duve: "Vor Gericht stellen und ein Gerichtsverfahren machen, bedeutet viel mehr für die irakische Bevölkerung, die lange unter der Diktatur gelebt hat, als dieser Umgang mit Bildern". Man kann sich richtig vorstellen, wie die irakische Bevölkerung geduldig abwartet, bis Uday und Quesay sich über Jahre durch alle Instanzen einer noch überhaupt nicht existierenden demokratischen irakischen Justiz geklagt hätten. Dabei würde dies den Irakern so viel bedeuten... Übrigens regt sich Freimut Duve auch über andere Themen auf, z.B. über Berlusconi, über zu wenige "kritische Stimmen" gegen die US-Regierung nach dem 11.9.2001, über das schlechte Vorbild der USA, das den Russen die Misshandlung der Tschetschenen erlaubt, usw...usw...

AP findet nach einer Meldung der Financial Times Deutschland mit dem Landauer "Politologen und Medienwissenschaftler" Ulrich Sarcinelli einen geschichtlich dramatisch kenntnisreichen - ja, was wohl? - US-KRITIKER. Er erkennt "in dem demonstrativen Zurschaustellen der getöteten Feinde Merkmale eines primitives Rituals, das einem überholt geglaubtem Menschheitsstadium entspreche". Dahinter, so Sarchinelli, "steht offensichtlich eine dramatische innenpolitische Glaubwürdigkeitskrise der Kriegsparteien USA und Großbritannien". Aber hoppla, wer hätte das gedacht - die Tötung zweier Sadisten und Menschenschänder als Indikator innenpolitischer Krisenlagen bei den Angelsachsen!

Die Financial Times Deutschland veröffentlicht - for good measure - gleich eine ganze Seite mit kritischen Pressestimmen. Wem wohl gegenüber kritisch? DEN AMERIKANERN! Im Zitatendschungel der FTD ein Juwel des Welt-Blattes Neue Osnabrücker Zeitung: "Zu sehr riecht es nach Inszenierung. Die missratene Brut des Saddam Hussein wird genau in jenen Tagen zur Strecke gebracht, in denen Bush und sein britischer Waffenbruder Tony Blair wegen ihrer unseriösen Informationspolitik unter Druck stehen. Was für ein Zufall. Und dann all die Ungereimtheiten in dieser Geschichte: Wenn die Kommandos der Heeres-Spezialkräfte zugreifen, dann ist der Spuk normalerweise in Sekundenschnelle vorbei. Schwer vorstellbar, dass solche Profis mehrere Stunden gebraucht haben sollen, den fetten Kusai, den verkrüppelten Udai und zwei Begleiter niederzuringen." Tja, die Spezialkräfte der NOZ hatten sicher in "Sekundenschnelle" ihren tendenziösen, anti-amerikanischen Kommentar geschrieben. Die NOZ veröffentlicht dazu noch eine dpa-Meldung, die den Medienwissenschaftler Siegfried Weischenberg zu Wort kommen läßt. Weischenberg kritisiert...wen wohl? Richtig: DIE AMERIKANER! Weischenberg: "Auch Verbrecher haben eine Menschenwürde".

Es geht doch nichts über deutsche Gutmenschen und ihre anti-amerikanischen Reflexe - und über deutsche Medien, die ihnen ein Forum verschaffen. Wir aber wollen nun die Verbrecher mit Menschenwürde in unser Gebet einschließen (und Josef Stalin und Adolf Hitler und Idi Amin und Pol Pot und ...)

Dienstag, Juli 22, 2003

Medienkritik ist Nebenfach in Deutschland
Die unterschiedlichen Gewichtungen in der deutschen und in der amerikanischen Presse werden aus einer Gegenüberstellung der Financial Times am 22.7.03. (engl. Printausgabe) S. 3, deutlich. Während in der Affäre um den Selbstmord von David Kelly - vgl. frühere Posts in diesem Blog - die US-Medien vor allem die Schuld bei der BBC suchen (New York Times: "...casts doubt on the network's credibility"), stellen die deutschen Medien unverdrossen auf die Schuld Blairs ab.

Was lernen wir daraus? Eine - deutsche - Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Medienkritik ist in Deutschland Wahlfach, in USA Hauptfach der journalistischen Ausbildung.

Sonntag, Juli 20, 2003

BBC ist schuldig, Blair ist es nicht
Die Kampagne gegen Blair wird so schnell zusammenbrechen, wie sie aufgeblasen wurde. Tatsache ist: David Kelly war nach Aussagen der BBC die Quelle der Anschuldigung, die Blair-Regierung habe die Tatsachen gefälscht, als sie behauptete, der Irak könne innerhalb von 45 Minuten Massenvernichtungswaffen einsetzen. Damit ist auch klar, daß die BBC die Definition ihrer Quelle als "senior intelligence source" offensichtlich nicht mehr wird halten können, denn das war Kelly nicht - worauf Reuters hinweist. Kelly selbst hat - nach einem Bericht der New York Times - darauf hingewiesen, daß er sich in den Berichterstattungen der BBC nicht wieder erkannt hat: "I believe I am not the main source,'' Kelly told the committee Tuesday. "From the conversation I had, I don't see how (Gilligan) could make the authoritative statement he was making.''

Die BBC hat sich also die Kompetenz eines Experten zunutze gemacht - ohne dass dieser Experte die unterstellten Aussagen gemacht hat. Die BBC hat Anschuldigungen gegenüber Blair erhoben, für die sie - trotz gegenteiliger Behauptungen - nicht den behaupteten Zeugen hatte.

Konsequenzen für die Berichterstattung deutscher Medien? Warten wir's ab, mit unverzagtem Optimismus...

Übrigens: Sky News beschreibt den zeitlichen Ablauf der BBC-Affäre.
Nachtrag zum Tod von David Kelly
Am Ende einer Meldung von CNN heißt es: "As the press conference ended a journalist shouted: "Have you got blood on your hands prime minister? Are you going to resign?" That question was not answered because Japanese authorities were wrapping up the briefing."
Das bedeutet: Blair verweigerte nicht die Antwort - die Pressekonferenz war durch die japanischen Gastgeber einfach beendet worden. Man weiß nicht einmal, ob Blair die Frage überhaupt gehört hatte.
Im SPIEGEL hieß es noch: "In Japan wurde Blair von einem Journalisten gefragt, ob Blut an seinen Händen klebe. Blair ließ die Frage unbeantwortet."BILD zum gleichen Vorgang: "Ein Reporter der Londoner Zeitung „Mail on Sunday“ fragte ihn: „Premierminister, haben Sie Blut an den Händen?“ Blair wurde aschfahl. Wortlos stürmte er aus dem Saal."

Es geht eben nichts über den deutschen Qualitätsjournalismus...
Wo BILD hinhaut, bleibt kein Auge trocken
In der Online-Version findet sich ein Bericht über den mutmaßlichen Selbstmord des ehemaligen britischen Waffeninspektors David Kelly (vgl. auch dieses Blog vom 19.7.03), von BILD zu "Blairs Berater" befördert. Es fehlt nichts an Vorurteilen gegenüber Blair, was auch in anderen deutschen Medien gehandelt wird: "Ein Reporter der Londoner Zeitung „Mail on Sunday“ fragte ihn: „Premierminister, haben Sie Blut an den Händen?“ Blair wurde aschfahl. Wortlos stürmte er aus dem Saal. .... Der britische Premier Tony Blair (50) muss sich kritische Fragen zum Tod seines Beraters stellen lassen ... Donnerstag kehrt Blair von seiner Asien-Reise nach London zurück. Hier wird es politisch schwer für ihn. Die langjährige Labour-Abgeordnete und „Oscar“-Gewinnerin Glenda Jackson empfahl ihm: „Zurücktreten!“ Ein TED des Nachrichtensenders Sky News ergab: Fast zwei Drittel der Briten (64 %) teilen diese Ansicht."

Nun läßt sich das politische Gewicht von Glenda Jackson zwar nur in Nanogramm ausdrücken - sie ist in der britischen Politiker eine exzentrische Randerscheinung ohne jeden Einfluß -, aber wenn man sonst keine Zeugen für Rücktrittsforderungen an Blair findet, greift man eben auch mal zu Strohhalmen. Der Eindruck, den BILD über die Sky News-Umfrage vermittelt, ist allerding skandalös falsch. Zwar sprachen sich in der Tat zwei Drittel für einen Rücktritt Blairs aus. Zwei Drittel der "Briten", wie BILD meldet? Nein, zwei Drittel derer, die sich an dieser vollkommen unrepräsentativen Umfrage im Internet beteiligten. Das können Inder, Tschechen, Andoraner und auch Briten gewesen sein - halt jeder, der über einen Internet-Anschluß verfügt.

Mit so was macht man Stimmung. Substanz ist nicht gefragt. Und was ist die Substanz? Kelly war, wie die BBC jetzt bekannt gab, tatsächlich der Informant, der die Falschmeldung in die Welt setzte, die englische Regierung habe die Nachricht über Iraks Atomwaffenpläne durch die Erfindung von Tatsachen "sexier" gemacht. Das hat Kelly stets geleugnet.

Samstag, Juli 19, 2003

Kampagnenjournalismus, made in Germany
Der - vermutliche - Selbstmord des ehemaligen britische Waffeninspektor David Kelly veranlaßt einige deutsche Medien zu perfiden Anschuldigungen an die Adresse des englischen Premierministers Blair. Blair wurde mit dem tragischen Tod Kellys während eines Japan-Besuches konfrontiert. Auf einer Pressekonferenz fragte ein Journalist, ob Blair nun Blut an den Händen habe - eine dreiste Frage, die zu Recht keine Antwort verdient. Daraus wird beim SPIEGEL: "Premier Tony Blair musste sich deshalb fragen lassen, ob er sich für dessen (Kellys) tragischen Tod mitverantwortlich fühlt...In Japan wurde Blair von einem Journalisten gefragt, ob Blut an seinen Händen klebe. Blair ließ die Frage unbeantwortet. Er will sich zu Kellys Tod erst nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen äußern." In einer Demokratie "muß" sich ein Politiker vieles "fragen lassen", darunter auch haarsträubenden Unsinn von Journalisten. Die Nichtbeantwortung von Unsinn unterschwellig mit einem Schuld-Eingeständnis gleichzusetzen, ist ein besonders widerlicher Beispiel von Kampagnenjournalismus.

Die FAZ gibt sich feiner, aber nur in der Wortwahl: "Auf die Frage, ober er nach dem Tod Kellys an Rücktritt denken, reagierte Blair am Samstag in Tokio mit Schweigen. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi im japanischen Hakone schwieg er auch zu Fragen, die mögliche Rücktrittsangebote seines Beraters Alastair Campbell oder von Verteidigungsminister Geoff Hoon betrafen." Die FAZ unterstellt damit ein Nachdenken Blairs über einen eigenen Rücktritt oder zwei seiner Mitarbeiter - nur weil Blair auf offensichtlich kampagnenjournalistisch inszenierte Fragen keine Antwort gab. Die Nachrichtenlage ist schon sehr schlecht, wenn Journalisten die Fragen anderer Journalisten zitieren müssen...

Eine Reuters-Meldung enthüllt übrigens, daß Blair auf der Pressekonferenz auf die Attacken der Journalisten durchaus geantwortet hatte: " 'I hope we can set aside the speculation and the claims and the counter-claims,' Blair told reporters in Tokyo when one questioner asked him if Kelly's death was on his conscience."

Blair hat aus Sicht der Medien natürlich zwei gravierende Fehler begangen: er unterstützte öffentlich mehrfach die Irak-Politik von George Bush (siehe auch den Eintrag vom 18.7.03 in unserem Blog) und er kritisierte die BBC, die David Kelly offensichtlich als Quelle einer nachweislich falschen Anschuldigung nutzte. Unverzeihlich!

Freitag, Juli 18, 2003

Blairs fulminante Rede
Gelegentlich finden Politiker zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort die richtigen Worte. Für Blairs Rede am 17.7.03 vor dem US Kongress trifft das alles zu. Eine berührende Rede eines großen Staatsmannes. Auszüge:

"There is a myth that though we love freedom, others don't; that our attachment to freedom is a product of our culture; that freedom, democracy, human rights, the rule of law are American values or Western values; that Afghan women were content under the lash of the Taliban; that Saddam was somehow beloved by his people; that Milosevic was Serbia's savior. Members of Congress, ours are not Western values. They are the universal values of the human spirit, and anywhere -- (applause) -- anywhere, any time ordinary people are given the chance to choose, the choice is the same: freedom, not tyranny; democracy, not dictatorship; the rule of law, not the rule of the secret police.

The spread of freedom is the best security for the free. It is our last line of defense and our first line of attack.

And just as the terrorist seeks to divide humanity in hate, so we have to unify around an idea. And that idea is liberty. (Applause.)

We must find the strength to fight for this idea and the compassion to make it universal. Abraham Lincoln said, "Those that deny freedom to others deserve it not for themselves."

And it is this sense of justice that makes moral the love of liberty.

In some cases where our security is under direct threat, we will have recourse to arms. In others it will be by force of reason. But in all cases, to the same end, that the liberty we seek is not for some, but for all, for that is the only true path to victory in this struggle. (Applause.)"


Mag man sich vorstellen, ein deutscher Politiker der Gegenwart sei zu einer solchen Rede fähig? Die Frage stellen, heißt sie beantworten.
Neues irakisches Massengrab
Die US Armee hat ein neues Massengrab bei Hatra entdeckt, in dem vor allem Kurden begraben sind. Es ist die Rede von 200 bis 400 ermordeten Frauen und Kindern. Von wem ermordet? Vom Regime Saddam Husseins, dem durch den unprovozierten Angriff der Amerikaner so schreckliches Unrecht angetan wurde. Seit der Invasion durch die Amerikaner wurden über 60 Massengräber entdeckt. Die UN untersucht die Ermordung von über 300000 Menschen durch das Saddam-Regime.

Über das neue Massengrab habe ich auf die Schnelle in deutschen Medien nur Kurzmeldungen gefunden. Keine empörten Kommentare, keine Schlagzeilen - nichts! Die deutschen Medien sitzen auf der Balustrade und spötteln über die bislang vergebliche Suche nach Massenvernichtungswaffen. Entdeckte Massengräber werden nicht gezählt...
Aussenminister Fischer besucht die USA,
...und die deutschen Medien stehen stramm:

SPIEGEL: Fischer ist mit seiner Gut-Wetter-Tour zufrieden

FAZ: Fischer zieht positive Bilanz

Stern: Außenminister mit Visionen

Netzeitung: Fischer hofft auf transatlantische Verständigung

TAZ: Fischer gibt sich als Brückenbauer

usw., usw....

In den US-Medien findet der Besuch so gut wie überhaupt nicht statt. Der "Brückenbauer", der "Außenminister mit Visionen" - für ihn gibt es bei der New York Times nur ein paar Zeilen am Schluß eines Artikels über ein Treffen von Bush mit Annan. Die Washington Post erwähnt Fischers Besuch auf Seite A14, also recht weit hinten, in einer allgemeinen Übersicht über internationale Besuche der letzten Woche und weiß als zentrale Nachricht zu vermelden, daß Powell Fischer als Gastgeschenk eine Kiste leerer Bierflaschen überreichte. AP beschreibt die Substanz seines Besuches: "Describing the situation in Iraq as highly complicated, German Foreign Minister Joschka Fischer said a trans-Atlantic debate was needed to develop a common strategy to deal with the postwar situation and other security issues." Dafür reist der Mann nach Washington!

Vermutlich hat Fischer bei der Produktion seiner nichtssagenden Stellungnahme die Stirn in die berühmten Denkerfalten gelegt, was bei deutschen Medien regelmäßig als Ausdruck tiefer staatspolitischer Verantwortung interpretiert wird.

Angesichts der deutschen Jubelpresse können die herausragenden Popularitätswerte Fischers bei Bevölkerungsumfragen kaum verwundern...

Donnerstag, Juli 17, 2003

Das wird man...
in deutschen Medien sicher nicht zeigen: die interessanten Ferienbeschäftigungen palästinensischer Kinder. Der Knabe in der Mitte trägt übrigens ein Raketenabschußgerät...

Sonntag, Juli 13, 2003

Eine interessante Analyse zur palästinensischen Intifada...
seit dem Herbst 2000 findet sich bei der Jerusalem Post (in englischer Sprache). Daraus wird auch ersichtlich: die Anstifter der Intifada, darunter PLO-Chef Arafat, haben sich verkalkuliert. Die palästinensischen Terror-Anschläge haben in letzter Konsequenz nur die Palästinenser selbst entscheidend geschwächt.

Ob die Europäer die Unterstützung Arafats überdenken? Reuters meldet: "Israels Ministerpräsident Ariel Scharon hat der Europäischen Union (EU) vorgeworfen, mit ihren Kontakten zu Palästinenser-Präsident Jassir Arafat dem Friedensprozess im Nahen Osten zu schaden." Vielleicht wirft die EU einmal einen Blick auf die Ausbildungsbedingungen in den Sommerlagern für palästinensiche Jugendliche... Ürigens: auch nicht schlecht, wie die kleinen Bengel den Häuserkampf üben. Am Ende kommt dann der große Führer selbst und gratuliert.

Muß die EU diesen Mann wirklich unterstützen?

Freitag, Juli 04, 2003

Was erlaube Berlusconi!?
Das Zitat stammt von Harald Schmidt, und es verdient einen Ehrenplatz in der Überschrift. Die versammelte deutsche Medienlandschaft von links bis rechts, von TAZ ("Prügel für den Grossklotz") über SPIEGEL ("Berlusconis halbherzige Entschuldigung") , Süddeutsche ("...keine besondere Kompetenz geschweige denn Feinfühligkeit in der Aussenpolitik"), FTD ("Risiko Berlusconi") bis hin zur FAZ ("des europäischen Ratspräsidenten unwürdig") empört sich in selten erlebter Einmütigkeit über die ironisch gedachte Bemerkung Berlusconis, der SPD-Europa-Abgeordnete Schulz eigne sich für eine KZ-Wächterrolle in einem Nazi-Film, der gerade in Italien gedreht werde.

Berlusconi hätte die Bemerkung besser unterlassen - aber die Reaktionen der deutschen Medien bewegen sich jenseits des Nachvollziehbaren. In Deutschland gehört der Vergleich mit der Nazi-Zeit zu einem wohl bekannten und häufig genutzten Instrument der politischen Auseinandersetzung. Besonders linke Politiker greifen gerne zu Nazi- und KZ-Vergleichen. Es sei erinnert an die mit einem eher verhaltenen Charme ausgestattete Herta Däubler-Gmelin, die den US-Präsidenten George Bush mit Adolf Hitler verglich. Unvergessen natürlich die Bemerkung des jugendlichen Oskar Lafontaine, der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt verfüge über Sekundärtugenden, mit denen man auch ein KZ leiten könne. Und natürlich gab es ungezählte Kampagnen der letzten Jahre, vom Kampf gegen "Berufsverbote" in den 70-iger Jahre, über die Nachrüstungs-Demonstrationen der 80-iger Jahre bis hin zu den Anti-Skinhead-Parolen der heutigen Zeit, in denen bürgerliche Politiker und Parteien wie selbstverständlich der Nähe zum Nationalsozialismus geziehen wurden. Vergeben und vergessen.

Interessant ist, dass die Provokationen des MdEP Schulz so überhaupt keine Beachtung fanden. Wie er das ganze italienische Volk beleidigte, verdiente eigentlich auch eine Rüge. Aber wir Deutsche haben nun mal das internationale Oberlehrer-Examen mit Bravour bestanden und wenden nun die Theorie in der Praxis an. Frechheit: die Briten sehen Berlusconi's Ausfall überhaupt nicht negativ.

Die Empörung über Berlusconi ist Teil einer bereits vor dem KZ-Wächter-Vergleich angelaufenen Kampagne, die Berlusconi als Mafia-Paten zeichnet. Gegeiselt wird, dass Berlusconi sich juristisch vor der Unsitte schützt, vor Gerichte jeglicher Art mit angejahrten Beschuldigungen gezerrt zu werden. Wo, in welchem anderen zivilisierten Land ist es üblich, einen Staatschef im Amt beliebig anklagen zu können, ihm gar einen Prozeß - ohne Aufhebung der Immunität - zu machen? Nicht in Deutschland, nicht in Frankreich, nicht in den USA, nicht...usw...usw...

Nebenbei: Ich mußte mit dem Bloggen für eine Woche aussetzen. Erst gab es Probleme mit Blogger.com, dann fehlte mir die Zeit. Aber die Berlusconi-Geschichte hat alles wiederbelebt!

Donnerstag, Juni 26, 2003

Faszinierende Unterschiede zwischen US-Quellen und deutscher Berichterstattung
Die WELT bringt einen Bericht Irak "Fundamentalisten drohen mit neuen Anschlägen", in dem zur Frage des Auffindens von Massenvernichtungswaffen der zukünftigen Chef der US-Truppen im Irak, General John Abizaid, zitiert wird: "Der künftige Oberbefehlshaber der US-Truppen in Irak zog unterdessen die Glaubwürdigkeit von Informationen der US-Geheimdienste über irakische Massenvernichtungswaffen in Zweifel. Die vor dem Krieg präsentierten Erkenntnisse seien "auf beunruhigende Art und Weise unvollständig" gewesen, kritisierte General John Abizaid vor dem Senat in Washington. Nach Abizaids Worten hatte die Führung der US-Streitkräfte den Krieg gegen Irak wegen der mangelhaften Geheimdienstinformationen mit falschen Vorstellungen begonnen....Der künftige Chef der US-Truppen in Irak und der Nahost-Region hob kritisch hervor, dass bislang keine einzige chemische oder biologische Waffe gefunden worden sei. Dabei räumte Abizaid ein, "dass wir nicht vollständig Recht gehabt haben". Die taktischen Erkenntnisse der Geheimdienste zur Vorbereitung der Kampfhandlungen seien jedoch sehr nützlich gewesen."

Die tatsächliche Stellungnahme von General Johan Abizaid vor dem Senat war aber so: "The senators grilled Abizaid on Iraqi weapons of mass destruction. He told them that he has had no reason to change his belief that coalition forces will find Iraqi weapons of mass destruction.

"I believe that as we get on with the mission to look for weapons of mass destruction and piece together the evidence that is available within the country – not only by looking at documents, but by talking to various people who have come forward – that we will piece together the story of what happened to the weapons of mass destruction somewhere between 1998 and 2003," he said.

He said he is sure the evidence will show Iraqi deceptions and he is "confident that it will lead us to actual weapons of mass destruction."

Abizaid said the intelligence effort in Iraq was mixed. "My overall assessment of how intelligence served us throughout the campaign was that it was the most accurate I've ever seen on the tactical level, probably the best I've ever seen on the operational level and perplexingly incomplete on the strategic level in regards to weapons of mass destruction," he said.

The general said U.S. forces have never had such a complete picture of enemy tactical dispositions and intentions. He said the speed of the coalition campaign was due largely to that intelligence picture.

"Operationally we came up with a remarkable clear picture. We expected to fight the main battle between the line of Karbala, Kut and Baghdad, we expected it to be fought against the four Iraqi Republican Guard divisions and we expected their exact positions on the battlefield," he said.

On the strategic side there were some successes. He pointed to the coalition capture of 32 of the top 55 most-wanted as one example. But, he said, he is perplexed that the coalition hasn't found weapons of mass destruction. "As we overran positions early in the campaign, we found an incredible amount of defensively oriented chemical equipment," he said. "I surmised from that that they were … going to use chemical weapons."

He said there was a lot of intelligence saying that there was a "red line" in Iraq, beyond which Iraqi forces would use chemical weapons.

"In 1991, I served in northern Iraq," he said. "I had seen up in the Kurdish areas the fact the Iraqis had used chemical weapons against their own people. I certainly knew from studying the campaigns … during the eight-year war with the Iranians that (the Iraqis) had used chemical weapons and a lot of the intelligence traffic indicated on a tactical level, as well as a strategic level, that they would use it against us."

Still, as coalition units continue their investigations, he believes that the Iraqi WMD programs will come to light.


Also: General Abizaid lobt die Geheimdienste, wenngleich er einräumt, daß nicht alle Informationen über Massenvernichtungswaffen vollständig waren. Gefunden wurde beim Vormarsch eine Menge chemischer Ausrüstung. Er geht davon aus, daß noch Massenvernichtungswaffen gefunden werden. Was in seiner Stellungnahme rechtfertigt die Unter-Überschrift der WELT: "Künftiger US-Oberbefehlshaber kritisiert Arbeiten der Geheimdienste scharf"?

Link des WELT-Artikels: http://www.welt.de/data/2003/06/27/125170.html
Link der Abizaid-Stellungnahme: http://www.pentagon.gov/news/Jun2003/n06252003_200306251.html

Mittwoch, Juni 25, 2003

Es dämmert uns so allmählich...
Es ist oft nicht einfach für unsere ausländischen Freunde, uns Deutsche zu verstehen. Wir machen es ihnen aber auch nicht einfach.

Wo in der Welt würde eine Gewerkschaft ernsthaft auch nur daran denken, mitten in der Wirtschaftskrise - noch dazu in einer besonders hart betroffenen Region - für weniger Arbeitsstunden zu streiken, mit dem Argument, man wolle "für gleiche Arbeits- und Lebensbedingungen in Ost und West eintreten", als ob Gleichheit von Arbeits- und Lebensbedingungen ohne Gleichheit der Produktivität ein sinnvolles Ziel sei?

Wo in der Welt würde die schiere Aussicht auf einen Konsens zwischen zwei politischen Parteien - noch dazu Parteien, die beide für einen hohen Staatsanteil stehen - als Fortschritt und Lösungsansatz für die seit Jahren bestehenden Probleme der Sozialversicherung gefeiert?

Wo in der Welt könnten Staatsbanken in riskanten internationalen Spekulationen Milliarden von Steuergeldern verlieren und dann dem verantwortlichen Unternehmensführer noch Millionbeträge in die Abfindung schreiben?

Das gibt es - vor allem in dieser Kombination - wohl nur in Deutschland: die Überzeugung, weniger arbeiten fördere den Wohlstand, Konsens sei ein Ziel an sich und unternehmerische Tätigkeit von staatlichen Unternehmen sei ökonomisch sinnvoll. Daß das schief gehen muß, weiß man überall in der Welt. In Deutschland dämmert die Erkenntnis so allmählich...

Montag, Juni 23, 2003

Kunstraub? Kunstraublüge!
Nun meldet es auch die FAZ vom 23.6.03, wie vorher schon der SPIEGEL (vgl. auch unsere Eintragung vom 8.6.03): aus dem Museum in Bagdad wurden nicht 170 000 Exponate gestohlen, sondern - 32. Der dubiose Museumsdirektor Donny Geroge Youkhanna, der laut FAZ enge Verbindungen mit der Baath-Partei und dem Geheimdienst Saddams pflegte, hatte die antiamerikanischen Impulse der Medien gewissenlos bedient. Deutsche Medien hatten vor Empörung mitgezittert:

Der SPIEGEL berichtete am 12.4.03: "Die Uno-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) verlangte schnelle Schutzmaßnahmen für irakische Kulturgüter. Plünderer hatten Teile des Irakischen Nationalmuseums in Bagdad verwüstet und womöglich unzählige Ausstellungsstücke von unschätzbarem Wert gestohlen. Die Säle des Museums boten am Samstag ein Bild der Verwüstung."

Trauer und Hinweis auf amerikanisches Versagen auch beim Mitteldeutschen Rundfunk: "Die Plünderer haben in Bagdad und Mossul auch vor den Museen nicht Halt gemacht. Korrespondenten mehrerer Nachrichtenagenturen berichteten von eingeschlagenen Scheiben und leeren Vitrinen im bedeutenden Nationalmuseum in Bagdad. Auch Statuen seien zerbrochen. Die Mitarbeiter befürchten neue Plünderungen. Die stellvertretende Museumsdirektorin machte die US-Truppen für die Plünderungen mitverantwortlich: 'Sie schützen das Ölministerium, aber das kulturelle Erbe nicht.' "

Die Süddeutsche Zeitung schrieb: "Tatort Bagdad: Augenzeugen berichten, dass amerikanische Soldaten den Plünderern der irakischen Museen - im Wortsinn - Tür und Tor geöffnet haben sollen. Das Beutegut wurde oft noch am selben Tag auf offener Straße verkauft. ... Viele Iraker berichten von vergeblichen Versuchen, Soldaten zum Einschreiten zu bewegen. ... Das überraschendste Detail in allen Schilderungen aber war die Behauptung, dass die amerikanischen Soldaten oft erst die Plünderungen ermöglichten, indem sie gut gesicherte Tore aufbrachen oder aufschossen und dann die Umstehenden aufforderten zu plündern: „Go in, Ali Baba, its yours!“ –, hätten ihnen die Amerikaner zugerufen, so irakische Augenzeugen."

Am 4.4.03 spricht die Süddeutsche Zeitung von der "legalisierte(n) Plünderung der Kultur Mesopotamiens durch die Amerikaner".

Zeit für Entschuldigungen haben die genannten Medien allerdings nicht. Man ist schon weitergezogen zum nächsten antiamerikanischen Scheiterhaufen.

Sonntag, Juni 22, 2003

Friedenspreis und Ehrendoktor für Hass auf Bush und Amerika
Die Amerikanerin Susan Sontag erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Und einen Ehrendoktor der Universität Tübingen. In der Begründung für den Friedenspreis heißt es: "Durch ihre Arbeit, die nie das europäische Erbe aus dem Blick verlor, ist sie zu der prominentesten intellektuellen Botschafterin zwischen den beiden Kontinenten geworden. In einer Welt der gefälschten Bilder und der verstümmelten Wahrheiten ist sie für die Würde des freien Denkens eingetreten."

Hier einige Beispiele für die von Susan Sontag vertretene Würde des freien Denkens. Am 13.9.01, zwei Tage nach dem Terror-Angriff auf das World Trade Center, sagte sie in Berlin: "Wo ist das Eingeständnis, daß es sich nicht um einen »feigen« Angriff auf die »Zivilisation«, die »Freiheit«, die »Menschlichkeit« oder die »freie Welt« gehandelt hat, sondern um einen Angriff auf die Vereinigten Staaten, die einzige selbsternannte Supermacht der Welt; um einen Angriff, der als Konsequenz der Politik, Interessen und Handlungen der Vereinigten Staaten unternommen wurde?...Und wenn man das Wort »feige« in den Mund nimmt, dann sollte es besser auf jene angewandt werden, die Vergeltungsschläge aus dem Himmel ausführen, und nicht auf jene, die bereit sind, selbst zu sterben, um andere zu töten. Wenn wir von Mut sprechen, der einzigen moralisch neutralen Tugend, dann kann man den Attentätern - was immer sonst auch über sie zu sagen wäre - eines nicht vorwerfen: daß sie Feiglinge seien." Die Rede wurde vom FAZ Feuilleton den FAZ-Lesern am 15.9.01 zugemutet.

Susan Sontag hat ihre Thesen vom 13.9.01 zwar teilweise widerrufen; es gibt aber - gerade zum Thema 11.9. - auch anderen, nicht zurückgenommenen Unsinn. So fragt sie, die sich am 11.9.01 in Berlin aufhielt, "warum Bush am Tag des Anschlags unerklärlicherweise abgetaucht war", eine selbst für hartgesottene Linke unüblich dümmliche Unterstellung. Der Moment der Mitteilung des Anschlags an Präsident Bush ist TV-dokumentiert, und sein "Abtauchen" danach war aus Gründen der nationalen Sicherheit unumgänglich.

Ihre Verachtung für's eigene Land kennt keine Grenzen: "Dies ist ein selbstgerechtes Land geworden, das besoffen von seiner eigenen Macht ist und seinen Kreuzzug gegen den Feind im Alleingang durchführen wird."

Für solcherlei Unsinn gibt es inzwischen in den USA den "Sontag Award", einen nach Susan Sontag benannten Preis, für "insanity by intellectuals and artists". In Deutschland haben wir dafür den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und die Ehrendoktorwürde.
Wer so alles als "Experte" in deutschen Medien gehandelt wird...
In den deutschen Medien wird Ray McGovern hoch gehandelt, als "ehemaliger US-Geheimdienstprofi" und "Ex-CIA-Spitzenbeamter", "der weiß, wovon er spricht". Er führt einen heiligen Krieg gegen Präsident Bush und den CIA: "Washington hat gelogen" und "Die Basis des Irak-Kriegs ist Betrug" sind typische Überschriften von Artikeln im Tagesspiegel und im SPIEGEL, die ihn kritiklos und folgsam zitieren. Und natürlich genießt er Experten-Status bei "Panorama".

Wie glaubwürdig ist ein Zeuge, der seit über 10 Jahren nicht mehr beim CIA ist, und dessen Äußerungen stets und ständig vom Hass auf die jetzige US-Administration geprägt sind? Nicht sehr, aber für die Fütterung der antiamerikanischen Vorurteile deutscher Medien reicht es allemal... Dabei wäre es so leicht, die Meinung der gegenwärtigen US-Geheimdienstprofis zu erfahren. Und diese Meinung ist: Der Irak hat Massenvernichtungswaffen, und es dauert in einem riesigen Land eben einige Zeit, bis sie gefunden werden.

Freitag, Juni 20, 2003

TAZ entdeckt Verschwoerung durch ... die US-Regierung (wer haette das gedacht?)
Unter Bezug auf einen AP-Bericht stellt die TAZ fest: "USA frisieren Umweltbericht ... Das Weisse Haus hat im Entwurf fuer den US-Umweltschutzbericht alle Hinweise auf Gesundheits- und Umweltgefahren durch Klimawandel streichen lassen." Ein wenig Recherche haette die TAZ informiert: die US-Regierung nimmt das Thema "Klimawandel" schon ernst.

Allerdings: waehrend man in der deutschen Umweltpolitik auf teure, arbeitsplatzvernichtende und dirigistische Zwangs-Konzepte wie das Dosenpfand setzt, sucht die US-Regierung nach marktwirtschaftlichen, flexiblen Loesungen unter Einsatz von Hochtechnologie.
Der Iran verweigert Inspektionen
AP: "Die iranische Regierung lehnt die von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) verlangten Messungen in der Umgebung einer mutmaßlichen Nuklearanlage weiter ab. ...Die IAEA hat Iran am Donnerstag in Wien aufgefordert, die Anreicherung von Uranbrennstoff zu beenden und einen umfassenderen Zugang zu allen Nuklearanlagen zuzulassen." Ob man sich später einmal daran erinnert, daß die Krise mit der Verweigerung von Inspektionen anfing? Oder erleben wir bald wieder Kampagnen wie "Nicht in meinem Namen" oder "Kein Blut für Öl", die den Inspektionsverweigerern internationale Solidarität zusichern?
Iraker: lesen die denn keine (deutschen) Medien?
Verblüffend (1): die große Mehrheit der Iraker will, daß die Besatzungstruppen nicht so schnell abziehen. Aus der Lektüre deutscher Medien hatte man den Eindruck gewonnen: "immer mehr" Iraker wollten den schnellstmöglichen Abzug.

Verblüffend (2): es findet sich bei einer Anhörung im US-Senat kein Geheimdienstler, der die Informationen über irakische Massenvernichtungswaffen vor dem Krieg für manipuliert hält. Und sogar demokratische US-Senatoren unterstellen der US-Regierung und Präsident Bush keine wissentliche Fehlinformation. Hatten deutsche Medien nicht seit Wochen ständig den Eindruck vermittelt, CIA-Mitarbeiter hätten selbst nicht an die Existenz von Massenvernichtungswaffen geglaubt, sondern wären nur den Anweisungen der US-Regierung gefolgt, manipulierte Daten vorzulegen?

So leicht läßt sich der Kampagnenmotor allerdings nicht stoppen: "Die Debatte um die Gründe des Irak-Kriegs holt US-Präsident Bush womöglich doch noch ein. Gleich drei führende Köpfe der Demokratischen Partei meldeten sich mit scharfer Kritik zu Wort." Was für eine Überraschung: die Konkurrenten von Präsident Bush sind mit ihm nicht zufrieden! In Deutschland könnte die entsprechende Meldung lauten: "Die Debatte um das Haushaltsdefizit holt Bundeskanzler Schröder womöglich doch noch ein. Gleich drei führende Köpfe der Union meldeten sich mit scharfer Kritik zu Wort."

Na und? Wer, wenn nicht die Opposition, soll den Regierungschef kritisieren?

Donnerstag, Juni 19, 2003

Menschenrechtsverletzungen im Iran: Bitte nicht stören!
Im Iran protestieren Tausende seit Tagen gegen das verknöcherte, autoritäre Mullah-Regime. AFP meldet: Hunderte von Demonstranten wurden seither festgenommen und zahlreiche verletzt. In Paris verbrennen sich iranische Demonstranten. Für die deutschen Medien und die Bundesregierung ein Anlaß zum ... Leisetreten. Und ein bißchen Antiamerikanismus. Und ein bißchen Verrat der eigenen Prinzipien.

Der SPIEGEL trifft den Kammerton: "Die USA setzen auf unverhohlene Drohungen, in Berlin dagegen wird ein gemäßigter Kurs in Richtung Iran eingeschlagen...US-Säbelrasseln...In Regierungskreisen in Berlin wurde am Mittwoch betont, dass Iran nicht das Recht abgestritten werde, sich um eine zivile, friedliche Nutzung der Atomkraft zu bemühen. Man mache sich allerdings Sorgen um 'weitere Aspekte des Programms.' "

Menschenrechtsverletzungen im Iran? Muß man als grüner Außenminister nicht unbedingt drüber reden - das stört nur den Dialog. Kernkraftwerke für die Energieherstellung? Teufelszeug, das man auch weltweit verhindern möchte ("Und nur mit BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ist eine kohärente Umsetzung des Atomausstiegs auch im Bereich der Aussenwirtschaftsförderung möglich."), im Iran dagegen ein Instrument ziviler, friedlicher Nutzung der Atomkraft, gegen das man nichts einzuwenden hat.

Die deutsche Iran-Politik wurzelt fest im moralischen Treibsand. Von dieser soliden Basis erlauben wir uns, den USA Unglaubwürdigkeit vorwerfen...

Übrigens: eine kleine, von Exil-Iranern betriebene TV-Station leistet durch ihre Kritik an den iranischen Mullahs einen wesentlichen Beitrag zu einer öffentlichen Diskussion im Iran. Diese TV-Station sitzt in - Los Angeles, USA. Durch einen Zufall gelang es, die eigentlich für in der LA-Region lebenden Iraner sendende Station via Satellit in den Iran auszustrahlen. Die ganze Geschichte dieser TV-Station und ihrer Iran-Sendungen ist köstlich - und leider in Englisch. Die Menschenrechts-Aktivitäten sämtlicher deutscher Gutmenschen-Medien können sich hinter dem Engagement einiger Exil-Iraner, die die Station leiten, leicht verstecken.

Hiier findet sich eine Liste iranischer Weblogs, in englischer Sprache.

Mittwoch, Juni 18, 2003

Reuters und der Mord palästinensischer Terroristen
Palästinensische Terroristen ermordeten letzte Nacht auf einer Straße in der Nähe des Kibbuz Ejal ein siebenjähriges Mädchen. Die jüngere Schwester und der Vater wurden verletzt. Die Tat der palästinensischen Terroristen mutiert in einer Reuters-Meldung zu einem "bewaffneten Angriff" von "Palästinensern", und aus der Ermordung wird eine "Tötung": "Bei einem bewaffneten Angriff in Israel haben Palästinenser ein siebenjähriges Mädchen getötet". Später im Bericht ist die Rede von "militante(n) Palästinensern". Es wird nicht deutlich, daß das Mädchen (und sein Vater und seine Schwester) sich nicht in besetzten Territorien, sondern in Israel aufgehalten hat.

Bei dem israelischen täglichen Newsmagazine "IsraelInsider" heißt es dagegen: "Seven-year-old girl murdered by terrorist gunfire".

Reuters hätte den terroristischen Mord natürlich für palästinensische Augen und Ohren noch sensibler formulieren können: "...geschah ein Unglück, das einer israelischen Jugendlichen das Leben kostete". Oder: "Palästinensische Freiheitskämpfer im Streit mit israelischer Frau". Raum für Verbesserungen bei Reuters ist also noch da...und Vorbilder gibt es: die palästinensische Radio-Station "Voice of Palestine" bezeichnete die 7-jährige Israelin einfach als "Siedlerin", die bei einer Schießerei zu Tode gekommen ist ("the
death by shooting of a female Israeli settler").

Übrigens: das US-Außenministerium hat eine nützliche Liste zur Identifikation von terroristischen Organisationen in's Netz gestellt. Die Liste enthält jede Menge islamischer terroristischer Gruppen, davon allein drei palästinensische: Hamas, Islamic Jihad, und die Al Aksa Martyrs Brigades.

Dienstag, Juni 17, 2003

"Zungen abschneiden, Rückgrat brechen, Frauen vergewaltigen" - der SPIEGEL berichtet über Saddams Irak
Der aktuelle SPIEGEL 25/03 zeigt wieder einmal zwei Seiten: polemisch-manipulativ und investigativ-recherchereorientiert. Zum polemisch-manipulativen Bereich zählt ein unsägliches Elaborat "Die Suche nach der Wahrheit" - eine hastig zusammengekleisterte "Beweisführung" gegen die Begründung des Irak-Krieges. Kampagnenjournalismus pur. Die Regierungen der USA und Großbritanniens sind einmal mehr die Schuldigen. Das Machwerk verdient keine nähere Beachtung. (Im übrigen hat US-Außenminister Powell zu der Kriegslügen-These alles Notwendige gesagt.)

Doch dann, unter den Titeln "Die Archive des Bösen" und "Das tote Leben" erstaunlich gut recherchierte, informative Artikel. Eine Zitaten-Sammlung:

„...wie der Diktator einen Mann von seinen hungrigen Doggen zerreißen ließ...Saddam-Regime, das in den Geschichtsbüchern mit den Schrecken von Hitler, Stalin und Pol Pot verglichen werden wird...wenn es Saddam gefiel, lösten sich Dörfer in Rauch auf...mehr als 30 000 dieser staatlichen Terroristen sollen im Namen Saddams Zungen und Hände amputiert und Köpfe vom Rumpf getrennt haben...Lügnern wurde das Rückgrat gebrochen...wurde die Zunge mit einem glühenden Eisen verbrannt...Frauen, auf die er (Saddams Sohn) ein Auge geworfen hatte, ließ er auf offener Straße rauben und ihre Begleiter foltern und töten...stand darauf Vergewaltigung, oft der Tod...Man hat kaum eines dieser Mädchen je wieder gesehen...Wer über Saddam spottet, verliert seine Zunge. Die Zunge ist mit einer Zange herauszuziehen und mit einem Teppichmesser abzuschneiden. Dann ist die Zunge auf den Boden zu werfen. Alles das hat in Anwesenheit der Familie zu geschehen...Homosexuellen wurden die Hände gebunden, dann stieß man sie von einem Hausdach...etwa 200 000 Menschen ermordet und verscharrt wurden...usw...usw...“

Instruktiv auch die Aufarbeitung der deutschen Wirtschaftsinteressen im Irak Saddams im SPIEGEL ("Immer an der Seite des Führers"). BDI-Geschäftsführer Ludolf von Wartenberg anläßlich eines Besuches einer BDI-Delegation im Mai 2000: "Im irakischen Fernsehen lassen wir uns gerne feiern...". Nach dem BDI-Besuch stiegen nach jubelnder Wartenberg-Aussage "die Importe deutscher Produkte in den Irak um 1000 Prozent".

Ob die deutschen Wirtschaftsinteressen etwas mit dem wütenden Protest hierzulande gegen die amerikanische Irak-Politik zu tun hatten?

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