Samstag, Mai 31, 2003

Bush in Auschwitz - Berichte aus unterschiedlichen Perspektiven
Man beachte Umfang und Inhalt der Berichterstattung von dpa und AP.

Krakau (dpa) - US-Präsident George W. Bush hat das ehemalige deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besucht. An der Todesmauer legte er einen Kranz nieder. Dort waren tausende Häftlinge hingerichtet worden. Bush spricht im Laufe des Tages mit seinem polnischen Kollegen Aleksander Kwasniewski in Krakau. Der US- Präsident will Polen für die Unterstützung im Irak-Krieg danken. Am Abend reist er dann weiter nach St. Petersburg.

Associated Press: President to Visit Auschwitz Site
KRAKOW, Poland -- President Bush starts his trip to Europe and the Middle East somberly -- with a visit to the former Nazi death camp at Auschwitz meant to drive home the "dangers of evil unchecked."
In a rare visit for a U.S. president, Bush is to spend 1 1/2 hours today at the vast site in southern Poland where more than 1 million people, 90 percent of them Jews, perished in the Holocaust. ... "This visit is to honor the memory of the innocents lost in the terror of the Third Reich and the Holocaust and to serve to remind all of us of the dangers of evil unchecked," Bush's national security adviser, Condoleezza Rice, said Wednesday. Bush, who arrived in Poland on Friday accompanied by his wife Laura, drew a parallel to terrorism in remarks before the trip, saying that "terrorism and killing of innocent people is evil" and that nations should stand united in fighting for "peace and freedom." ... Bush is to enter the former death camp -- now a museum -- through the main gate with the chillingly German inscription "Arbeit macht frei" (Work makes you free).
Exhibits inside show heaps of human hair and personal items of the victims, who generally were shaved and stripped of their belongings after being brought in by train from all over Europe. Most were sent directly to the gas chambers; others were pressed into slave labor by the Nazis, who occupied Poland in 1939 at the start of World War II.
Bush is to tour both parts of the camp: the Auschwitz section built by the Nazis in 1940 mainly for Polish prisoners and the Birkenau part opened in 1942 as part of the Nazi drive to exterminate the Jews. He is expected to lay flowers at a wall where prisoners were shot and at a monument to Holocaust victims.
Die WELT legt nach
Der US-Korrespondent der WELT Uwe Schmitt ist kein Freund der Bush-Regierung und ueberhaupt der "Neokonservativen". So unterstellte er auch bereits kurz nach dem Start des Irak-Krieges ein Scheitern der Operation. Der von ihm vorhergesagte Haeuserkampf in Bagdad realisierte sich nicht. In seinem aktuellen Artikel "Der groesste Geheimdienstflop aller Zeiten" polemisiert Schmitt einmal mehr gegen die Irak-Politik der US-Regierung. Das sei ihm unbenommen, auch wenn es verwundert, wenn ein dem transatlantischen Buendnis so zugeneigtes Haus wie der Springer-Verlag solchen Stimmen ein Podium verschafft. Interessant ist der Artikel eigentlich nur ob seiner journalistischen Tricks: regelmaessig werden in dem Artikel ausgewiesene Gegner der Bush-Regierung als neutrale Zeugen fuer die angeblich fehlgeschlagene Bush-Politik zitiert. So z.B. die "Veteran Intelligence Professionals for Sanity" (VIPS), eine Gruppe verbitterter, ehemaliger CIA-Mitarbeiter, die seit Anfang Februar 2003 Memoranden gegen die US-Regierung verbreiten. Von dieser ignoriert, schrieben sie schon an UN-Generalsekretaer Annan. Sie traten auch schon im deutschen Fernsehen auf, bei - of all places - Panorama.
Schmitt zitiert u.a. als weiteren angeblich neutralen Zeugen die New York Times-Kolumnisten Nicholas D. Kristof - auch er seit langem ein hardcore Bush-Kritiker. In die gleiche Kategorie fällt der von Schmitt ebenso zitierte Paul Krugman (gleichfalls New York Times).
Früher meinte man DIE ZEIT, den SPIEGEL, den Stern und die Frankfurter Rundschau, wenn man vom "Zitier-Kartell" sprach. Die Zeiten haben sich geändert, und wir uns mit ihnen. Nun gibt es ein internationales Zitier-Kartell. Allerdings: die Zielrichtung der Polemik hat sich nicht geändert. Wenigstens etwas, was bleibt.
"Lügen, Lügen, Lügen" - aber von wem?
SPIEGEL und Stern erregen sich unter der gleichen (!) Überschrift "Lügen, Lügen, Lügen" über das angebliche Eingeständnis des stellvertretenden US-Verteidigungsministers Wolfowitz, man habe die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak nur als Vorwand für eine Invasion genommen. Tja, selbst wenn das so wäre: hatte es nicht genügend andere Gründe gegeben, durch eine Invasion die "Regierung" des Irak zu stürzen? Etwa das Schreckensregime der Saddam-Söhne, Massengräber, die Tradition des Saddam-Regimes, Regime-Gegnern die Ohren abzuschneiden, die Folterung von Sportlern, und andere vorliberale Behandlungsmethoden. Und übrigens: waren es nicht gerade deutsche Top-Magazine wie SPIEGEL und Stern, die sich noch im März über Ablauf und Risiken des Irak-Krieges in wildesten Vermutungen und Prophezeiungen ergingen, die so herrlich neben der Sache lagen? Es wurde behauptet, die Amerikaner würden im Wüstensand steckenbleiben, in tödliche Straßenkämpfe in Bagdad verwickelt, es gäbe einen iranischen Einmarsch im Süden des Irak, andere arabische Regierungen würden unter dem Ansturm wildester antiamerikanischer Demonstrationen zusammenbrechen. Nichts davon ist eingetroffen.
Übrigens hat Wolfowitz ganz etwas anderes gesagt, als in SPIEGEL, Stern und anderen deutschen Medien berichtet:
„Die Wahrheit ist, daß wir uns aus Gründen, die mit der US-Regierungsbürokratie zu tun haben, uns auf ein Thema konzentrierten, bei dem jeder zustimmen konnte, und das waren die Massenvernichtungswaffen. ...Aber es gab immer drei wesentliche Besorgnisse. Das eine sind die Massenvernichtungswaffen, das zweite die Unterstützung des Terrors und das dritte ist die kriminelle Behandlung des irakischen Volkes. Vermutlich könnte man noch ein viertes Thema nennen, und das ist die Verbindung zwischen den ersten beiden. ... Wir müssen nun versuchen, Bewegung in das Isral-Palästina-Thema zu bekommen. Wir haben jetzt in jeder Beziehung ein besseres Klima, daran zu arbeiten, als zuvor....Es war immer richtig: wenn wir mit Saddam Hussein fertig werden, würde es die Umstände zur Behandlung des Arabisch-Israelischen Themas erleichtern....Vieles ist nun anders, und eines, was fast unbemerkt blieb – aber es ist extrem wichtig – , ist, daß wir nun aufgrund eines kompletten Einverständnisses zwischen den USA und der Regierung von Saudi Arabien alle unsere Streitkräfte aus Saudi Arabien abziehen können. Ihre Anwesenheit über die letzten 12 Jahre war eine Quelle enormer Schwierigkeiten für eine befreundete Regierung. ... Einfach die Tatsache, daß wir diese Last den Saudis abnehmen konnten, öffnet das Tor für andere positive Dinge.“ (meine Übersetzung)
Was an diesem Zitat kann man nicht vernünftig finden?

Freitag, Mai 30, 2003

Dies ist nur der Anfang.
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David Kaspar

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