Sonntag, August 31, 2003

"Welt"-Korrespondent Uwe Schmitt: Anti-Bush, wie immer
Der Washingtoner "Welt"-Korrespondent Uwe Schmitt attackiert in einem polemischen Rundumschlag ("George W. Bush droht seinen "9/11"-Bonus zu verlieren") wieder einmal seinen Lieblingsfeind: US-Präsident George Bush. Zu seinen früheren Anti-Bush-Tiraden vgl. dieses Blog am 31.5.03.

Schmitt wendet die bewährte Kampagnenjournalisten-Masche der angeblich zunehmenden Probleme an: "Nach den Anschlägen im Irak schleicht sich unter den Amerikanern das Gefühl ein, die USA hätten sich übernommen ... George W. Bush scheint in Gefahr, seinen "9/11"-Bonus aufzuzehren ... wenn Zweifel und rhetorische Insubordination die eigene Mannschaft zu befallen scheinen ... Es geht das Gefühl um, die USA hätten sich übernommen: zu viel Ehrgeiz, zu viel Krieg, zu viel Alleingänge ... Amerikas Wirtschaft läuft nicht rund. Was für Erholung durchgeht, kostet Jobs, statt sie zu schaffen ... usw ... usw ... usw".

In Schmitts "Analyse" findet sich kein Hinweis auf die Ruchlosigkeit des abgelösten Saddam-Regimes, kein Wort über die strategische Bedeutung eines ausgeschalteten irakischen Regierungsterrors in einer Region, in der mit Syrien und Iran zwei weitere gefährliche Diktaturen - eine davon mit dem Streben nach nuklearen Erstschlagsfähigkeiten - residieren. Man sollte eigentlich meinen, das Haus Springer, für das Schmitt - noch - schreibt, würde publizistisch dem durch Irans Raketen gefährdeten Israel zur Seite stehen. (Und was die von Schmitt behauptete Notlage am Arbeitsmarkt betrifft, so können Euroland und speziell Deutschland nach OECD-Daten vom US-Wachstum nur träumen. Was gäben wir in Deutschland dafür, wenn wir statt 10,4 % Arbeitslosenquote nur - wie die USA - 6,2 % hätten...)

Nun kann Schmitt - allen kampagnenjournalistischen Schnörkeln zum Trotz - nicht ganz leugnen, daß die Amerikaner weiterhin Bushs Irak-Politik für richtig halten: "Umfragen von zwei Auftraggebern ermittelten zu Anfang der letzten Augustwoche klare Mehrheiten (55 zu 34 Prozent für CBS News; sogar 63 zu 35 für Gallup/CNN/USA Today), die meinen, der Irak-Krieg sei die Opfer wert gewesen." Auch bei einer ABC-Umfrage zeigt sich am 25.8.03 eine klare Mehrheit von der Richtigkeit der Irak-Politik der US-Regierung ("Public attitudes toward the situation in Iraq have stabilized after falling last month, despite last week's bombing of the U.N. compound in Baghdad and continued U.S. military casualties there, a new ABCNEWS poll finds.") Die Amerikaner lesen halt keine deutschen Medien...

Schmitt hätte wirklich keinen passenderen Zeugen für das Ende seines Anti-Bush-Elaborats finden können als Bob Herbert - ausgerechnet den New York Times-Kolumnisten, dessen Haß auf Bush fast schon neurotische Züge aufweist. Bush-Hasser zitiert Bush-Hasser - so schließt sich der kampagnenjournalistische Kreis.
Warum Israel die Hamas "erneut" bekämpft
Die Welt am Sonntag übernimmt am 31.8.03 eine AP-Meldung: "Israel tötet erneut zwei Hamas-Mitglieder". Warum wohl attackiert Israel "erneut" die Hamas?

Am 29.6.03, zum Beginn der vereinbarten Friedensperiode zwischen Israel und den Palästinensern, war in der Welt zu lesen: "Militante Palästinensergruppen erklären Waffenruhe - Hamas und Islamischer Dschihad kündigen an, alle anti-israelischen Angriffe sofort einzustellen. ... Diese „Straßenkarte“ verpflichtet die palästinensische Autonomiebehörde, die militanten Organisationen zu zerschlagen."

Seither haben sich die palästinensichen Friedensfreunde, gewissermaßen in der Nachspielzeit, noch ein paar Streiche erlaubt. Die palästinensische Autonomiebehörde unternimmt im Widerspruch zu ihren vertraglichen Verpflichtungen nichts oder zu wenig, um die Aktivitäten von Terroristen zu bekämpfen. Wenn es Terroristen ungehindert gelingt, nur 15 Meter von einer palästinensischen Polizeistation entfernt Raketen nach Israel abzufeuern, so ist dies Beleg für die Untätigkeit der Abbas-Regierung. Die Medien können es sich erlauben, über den Fortbestand der palästinensischen Terror-Infrastruktur hinwegzusehen - Israel, unter der Drohung der Ermordung seiner Bürger, kann es nicht. Daher die - auch präventiven - israelischen Aktionen.

Mittwoch, August 27, 2003

"Bushs Heimatfront bricht weg" - oder das Wunschdenken des SPIEGEL?
Dramatische Erkenntnisse des SPIEGEL: "Der Einsatz im Irak ruft in den USA wachsenden Widerwillen hervor, George W. Bushs Präsidentschaft steht am Scheidepunkt." Zumindestens in den Augen der streng parteiischen Auswahl der Amerikaner, die der SPIEGEL wahrnimmt. Zum Beispiel im New Yorker Stadtteil Cobble Hill, als die Gegner des Irak-Einsatzes in die Kirche "strömen". Der Ausdruck "strömen" verweist auf Busch-kritische Massen. Allerdings, ein wenig später im Artikel: "Es sind nicht viele gekommen, maximal 200 - doch TV-Teams aller Lokalkanäle dokumentieren ihren Protest." Das genau beschreibt die Manipulation der Medien-Wirklichkeit, deren Opfer wieder einmal die SPIEGEL-Leser werden.

Aber es sind natürlich auch richtige Schwergewichte anwesend: "Bürgermeister-Kandidat Charles Barron ist hier, zwei liberale Promi-Juristen und eine Ex-Kongressabgeordnete vom linken Rand der Demokraten. " Aber hallo, das ist doch wirklich eine Neuigkeit: sogar linke Demokraten protestieren gegen Bush! Natürlich darf die "Der Widerstand wächst"-Rethorik nicht fehlen: "Dennoch sendet die Friedensdemo ein Signal: Es ist die erste größere in New York City seit Wochen. Wie hier ist es überall im Lande - kleine, oft gerade gegründete Gruppen wie "Militär-Familien wehren sich" schüren den Protest. "

Aha. Dann gibt es allerdings noch repräsentative Meinungsumfragen, neben den selektiven SPIEGEL-Beobachtungen. Etwa die Umfrage der Washington Post von Mitte August 2003: "Public Opinion On Bush Stabilizes"... A solid majority (56 percent) of those surveyed approve of the way Bush is handling the situation in Iraq, and six in 10 said the war was worth fighting...Overall, 59 percent approve of the way Bush is handling his job. While his approval rating has dropped 18 percentage points since early April, his current level of support represents a good foundation as he begins the campaign year ahead."

Bush steht also in den Meinungsumfragen solide da, mit Werten, von denen Bundeskanzler Schröder nur träumen kann (ZDF-Politbarometer im August 03: "...fällt die SPD in der politischen Stimmung wieder zurück"). Schröders Heimatfront und das Wunschdenken des SPIEGEL brechen also weg - aber nicht Bushs Heimatfront.

Nachtrag: die Suche nach der vom SPIEGEL wahrgenommenen wegbrechenden Heimatfront von Bush gestalten sich schwierig. Auch Gallup findet nur gute Werte für Bush und seine Irak-Politik: "Americans Maintain Support for U.S. Presence in Iraq - Bush approval stable at 59%".

Donnerstag, August 21, 2003

taz jammert ueber "Kreislauf der Gewalt"
Der terroristische Mord-Anschlag in Jerusalem kennt einen Verantwortlichen: den Palaestinenser-Fuehrer Arafat. Er hat die Intifada in's Leben gerufen, und er verhindert ihr Ende. Hamas, islamischer Dschihad und die Al-Aksa-Brigaden laufen am langen Zuegel Arafats.

Die langjaehrige Motivationsarbeit Arafats steht auch hinter dem Jubel ueber den Anschlag bei Palaestinensern in libanesischen Fluechtlingslagern.

In unseren Landen gibt es immer noch nuetzlichen Idioten, die die wahren Verantwortlichkeiten verschleiern. So jammert Anne Ponger in der taz ueber den "Kreislauf der Gewalt, (der) von Friedensgegnern und Haudegen auf beiden Seiten immer wieder angekurbelt" werde. Das Bild vom "Kreislauf der Gewalt" taucht regelmaessig in deutschen Medien auf, wenn Terrorakte palaestinensischer Gruppen begangen werden. Ein Kreislauf - das ist wichtig - hat keinen Anfang, keine Ursache. Es gibt ihn einfach, und wenn ueberhaupt, sind "Haudegen auf beiden Seiten" verantwortlich.

Vielleicht schaut sich Frau Ponger einmal an, wen die palaestinensischen "Haudegen" bevorzugt attackieren: die israelische Zivilbevoelkerung, und da gerne auch mal Kinder.

Samstag, August 16, 2003

Urlaub...
Ich bin bis 23.8.03 verreist. In der Zeit gibt es keine Einträge. Danach - versprochen! - geht's wieder weiter. Über E-Mail bin ich aber weiterhin erreichbar, auch in der Zeit 16.8. - 23.8.:
deutsche_medien@yahoo.de .

Donnerstag, August 14, 2003

FAZ und Qualitätsjournalismus: es war einmal...
Es ist stets aufschlußreich, Berichte in deutschen Medien mit denen in ausländischen zu vergleichen - zumal, wenn sie sich auf die gleichen Sachverhalte beziehen.

Beispiel: die Affäre um den englischen Wissenschaftler Kelly und die Öffentlichkeitsarbeit der Blair-Regierung während des Irak-Kriegs. FAZ und die Times berichten am 13.8. beide über die Sitzung der Hutton-Kommission ("Hutton Inquiry") am 12.8. Vernommen wurden u.a. die BBC-Journalisten Andrew Gilligan und Susan Watts. (vgl. auch Eintragungen in diesem Weblog am 20.7.03 und am 2.8.03)

Für FAZ-Korrespondent Bernhard Heimrich geben die Ergebnisse der Vernehmungen Hinweise auf fehlerhaftes Regierungshandeln. Die Überschrift des Heimrich-Beitrags sowie die Kapitel-Überschriften belegen die Tendenz:

"Irak-Dossier eine Woche vor Veröffentlichung verändert" - "Brisante Aufzeichnungen" (von Gilligan) - "Widersprüche in Regierungsdarstellung"

Heimrich zitiert Gilligan und Watts, Kelly habe geklagt, "die Regierung habe Geheimdienstmaterial „nachgebessert", um dem widerstrebenden Parlament und der Öffentlichkeit den Feldzug plausibler zu machen. Eine weitere BBC-Journalistin, die in einer Fernsehsendung ähnlich berichtet hatte, konnte nicht nur eigene Aufzeichnungen vorlegen, sondern auch Mitschnitte von Telefongesprächen mit Kelly. Beide Zeugen beharrten, Kelly sei beunruhigt gewesen über die Art und Weise, wie die Regierung die Hinweise des Geheimdienstes für ihre Öffentlichkeitsarbeit benutzt habe."

Die Äußerungen der BBC-Journalisten werden von Heimrich nicht hinterfragt; er hat keine Zweifel an ihrer Richtigkeit. Seine Widergabe der Stellungnahme der Blair-Regierung hingegen wird sofort mit Gegenargumenten versehen, die deren Glaubwürdigkeit in Frage stellen: "Die Regierung hat dem von Anfang an heftig widersprochen und dargelegt, sie habe das Dossier nicht „nachgewürzt", und der Geheimdienst stimme mit dem veröffentlichten Text vollständig überein. Dieser Standpunkt hatte freilich schon im Lauf der ersten Befragungen am Montag einen zweifachen Widerspruch erfahren. Nach der einleitenden Befragung eines früheren UN-Waffeninspekteurs, mit dem Kelly 1991 im Irak gearbeitet hatte, hatten leitende Beamte das Wort: Richard Hatfield, der Personalchef des Verteidigungsministeriums; Martin Howard, der stellvertretende Leiter der Geheimdienstabteilung des Ministeriums; Patrick Lamb, der stellvertretende Leiter der Abteilung des Außenministeriums, die sich mit der Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen beschäftigt; und Julian Miller, ein leitender Beamter des Verbindungsstabes zum Geheimdienst im Kabinettsbüro. Dabei war nicht nur bestätigt worden, daß Kelly ein international anerkannter Fachmann auf seinem Gebiet war und die höchste Sicherheitsstufe des Geheimdienstes besaß. Sogar die amerikanische CIA habe seine Mitarbeit angefordert. Zutage kam auch, daß zwei weitere leitende Mitarbeiter des Geheimdienstes ähnlich beunruhigt waren wie Kelly und ihren
Widerwillen gegen die Behandlung des Materials durch die Regierung intern zu Protokoll gegeben hatten. Das widersprach der Version, die am Beginn der Affäre von der Regierung in Umlauf gebracht worden war: Kelly sei ein unwichtiger "mittlerer Beamter", der nicht gewußt haben könne, über was er rede."


Der gleiche Sachverhalt - die Tagung der Hutton-Kommission am 12.8. - erfährt in der Kommentierung der "Times" eine gänzlich andere Deutung. Die BBC wird scharf kritisiert, die Blair-Regierung nicht: "What Lord Hutton learnt yesterday, however, reinforces questions about the conduct of the BBC that the judge will doubtless wish to reflect upon.

David Kelly met Mr Gilligan at the journalist’s request and the two shared only an Appletise and a Coke at the Charing Cross Hotel. In other words, the exchange was a meeting to brief the journalist, not a convivial lunch at which information was exchanged. This makes it surprising that Mr Gilligan appeared not to have a notebook and recorded the meeting imperfectly on a PalmPilot. It is also unfortunate that he is now unable to locate the manuscript notes he made after the event.

The importance of this observation about unorthodox reporting practice is reinforced by the revelations made yesterday about the attitude of Mr Gilligan’s very capable editor at the Today programme, Kevin Marsh. The latter clearly has serious doubts both about Mr Gilligan’s general work and about the specific story at issue in the Hutton inquiry.

He believed the Today item was “marred by flawed reporting”, by “loose use of language”, and by “lack of judgment in some of his [Gilligan’s] phraseology”. He ascribed these mistakes to the reporter’s loose relationship with the programme’s management and proposed a raft of changes that suggest that Mr Marsh felt Mr Gilligan should be more closely supervised.

Mr Marsh’s reasonable doubts about Mr Gilligan and his report make the BBC’s decision to conduct a battle with the Government in defence of both of them highly questionable. The governors themselves shared at least part of the Today editor’s reservations. Lord Hutton and the BBC itself will surely be considering carefully whether it was wise to persist with this battle as a matter of supposed principle.

The BBC will doubtless have found some comfort in the evidence of Newsnight’s thoroughly professional Ms Watts. She confirms that Dr Kelly did indeed mention Alastair Campbell when talking of the way in which the “45-minute” claim had appeared in the Government’s intelligence dossier. Yet Ms Watt’s evidence is not as helpful to the BBC as it might hope. She chose to ignore the mentioning of Mr Campbell’s name because she had no reason to believe that Dr Kelly had enough access to be a reliable source for this information.

For this reason one other document may be regarded by Lord Hutton as extremely significant. It is an internal programme memo which may refer to the Kelly item and records that “Gilligan has v[ery] good story he hasn’t stood up yet”. This was dated a few days after the journalist’s meeting with Dr Kelly. At that time all involved appeared to know that Mr Gilligan’s source could not be used alone since it was not an adequate foundation for the allegation. There is no suggestion that he found any other corroboration of this single source. Yet the story was broadcast and even the element or two that Mr Gilligan now concedes were flawed had never been formally retracted.

At least Ms Watts provided evidence of the quality journalism the BBC Governors should rush to defend."


Quintessenz des Times-Kommentars: Der BBC-Journalist Gilligan praktizierte einen fragwürdigen Journalismus ("unorthodox reporting practice "); der Leiter der BBC-Redaktion, für die Gilligan seinen Bericht produzierte, distanziert sich von Gilligan; die BBC-Journalistin Watts mißtraute zentralen Äußerungen von Kelly und publizierte sie nicht; Gilligan hat sich nicht an den journalistischen Brauch gehalten, eine zweite Quelle zur Verifizierung der Kelly-Behauptungen zu suchen.

Fazit: die FAZ übernimmt kritiklos die Darstellung eines BBC-Journalisten, dessen Recherchepraktiken der renommierten "Times" - und sogar der BBC selbst - äußerst fragwürdig erscheinen. Wie es scheint, weiß Gilligan nur noch die FAZ hinter sich...

Dienstag, August 12, 2003

Bundesminister Fischer verurteilt Terroranschläge in Israel - und benennt keine Schuldigen

Wieder einmal werden israelische Zivilisten Opfer von Terroranschlägen, aber von den Tätern hat man im deutschen Aussenministerium keine Ahnung. Diesen Eindruck jedenfalls vermittelt die Stellungnahme von Joschka Fischer zu den heutigen Terroranschlägen, die zwei Israelis (und die Attentäter) das Leben kostete: "Die Bundesregierung verurteilt die verbrecherischen Terroranschläge, denen heute in Israel unschuldige Menschen zum Opfer gefallen sind, auf das Schärfste. Den Angehörigen der Opfer gehört unser Mitgefühl, den Verletzten wünschen wir schnelle und vollständige Genesung. In den vergangenen Wochen sind beide Seiten entscheidende und mutige Schritte auf dem Weg des Friedens gegangen – diese dürfen auf keinen Fall scheitern und müssen entschlossen fortgesetzt werden. Alle Verantwortlichen sind aufgerufen, weiterhin mit Nachdruck für die Perspektive einer friedlichen, politischen Lösung des Konflikts einzutreten; Terror und Gewalt dürfen nicht wieder die Oberhand gewinnen".

Deutsche Friedenspolitik pur: hilfloses Beklagen des Attentats, Gutmenschen-Versicherung des Mitgefühls, Appelle an Friedlichkeit - das volle Betroffenheitsprogramm. Nur eines fehlt, wie immer in solchen Fällen: die Benennung der Tätergruppen. Und da muß man eigentlich nicht lang suchen. Die Hisbollah ruft offen zum Terror auf, und die Hamas sowie Arafats Al Aksa-Brigaden.

Übrigens sind deutsche Medien nie um die Benennung von Schuldigen verlegen, wenn es um Kritik an Israel geht. Die Kampagne gegen den Bau eines Sicherheitszauns um die West Bank läuft bei uns auf vollen Touren. Aber: ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, um die Notwendigkeit des Zauns zu demonstrieren (Text: "Wie unnachbarlich von denen!").

Nachtrag: Die britische Regierung ist weniger zurückhaltend bei der Benennung der Täter. Terroristen werden dort Terroristen genannt: "The British Government condemns terrorism in all its forms, and the perpetrators of these horrific attacks deserve the full condemnation of the international community. ... The only suitable response to the actions of the extremists is for both sides to press ahead with determination to implement the roadmap and end the bloodshed. To do otherwise would be handing victory to the terrorists."

Montag, August 11, 2003

In der FAZ weiß die Rechte nicht, was die Linke schreibt...
In der Print-Ausgabe der FAZ vom 8.8.03 kommentiert Peter Lückemeier ein Interview des Kindermörders Magnus Gäfgen mit dem "Tagesspiegel": "Da kommt die Galle hoch". Lückemeier ist verbittert: "Wie bitte? Magnus Gäfgen hat ein Interview gegeben? Der geständige und zu lebenslanger Haftstrafe verurteilte Mörder Jakob von Metzlers gewährt huldreich einer deutschen Tageszeitung Einblick in seine Gedankenwelt? Wie nett von ihm! Und wie freundlich von der Berliner Tageszeitung "Der Tagesspiegel", ihn nach seiner Befindlichkeit zu befragen. Richter Hans Bachl hatte - warum eigentlich? - das Interview gewährt. Es fand schriftlich statt. Die Zeitung, beileibe kein Revolverblatt, sieht sich deshalb auch zu dem Hinweis bemüßigt, spontane Einwendungen als Korrekturen zu den Äußerungen Gäfgens seien nicht möglich gewesen. Dennoch hat sie das Interview gedruckt.

Liest man es, erfaßt selbst gemäßigte Naturen das Grauen. Gäfgen wird Gelegenheit gegeben, sich mal zerknirscht, mal weinerlich zu geben. ...
Es kommt einem die Galle hoch. Aber nicht nur wegen der quengeligen Einlassungen eines Mörders, sondern auch wegen der Unverfrorenheit, ein solches "Interview", das ohne Gegenrede ja keines ist, zu veröffentlichen. "Der Tagesspiegel" hat beziehungsreich darauf verwiesen, Gäfgens Anwalt habe Revision gegen das Urteil angekündigt. Was wohl andeuten soll, der Fall sei nicht ausgestanden. Moralisch ist er es längst. In einem Rechtsstaat ist der Ort des Verhandelns von Untaten der Prozeß. In Zeitungen hat man Mördern kein Forum zu bieten. Damit verhöhnt man das Opfer."


Natürlich hat Lückemeier recht - das wortreich entschuldigende, auf gesellschaftliche Mitschuld verweisende Täter-Mitleid in deutschen Medien ist ein Skandal. Guter Kommentar.

Doch dann, einige Seiten weiter, im Feuilleton der FAZ, am gleichen Tag. Ein dicker 3-Spalter: "Wir wissen noch nicht genug". Der "Frankfurter Emeritus für Strafprozeßrecht und Kriminologie" Klaus Lüderssen darf verständnisheischend das herbe Schicksal Magnus Gäfgens beschreiben und beklagen. Der Vorspann zitiert die Kritik Gäfgens aus dem "Tagesspiegel"-Interview, als handele es sich um ein maßstab-setzendes Dokument und kündigt den folgenden Artikel mit den Worten an: "Kritik an der gutachterlichen Seite des Prozesses übt hier auch Klaus Lüderssen...". Der Mörder und der Emeritus im gleichen Boot - eine schöne Entgleisung des FAZ-Feuilletons. Der Lüderssen-Artikel liest sich wie eine Vorlage für die Revision der Gäfgen-Verteidigung. Anstelle einzelner Passagen hier nur der bandwurmförmige Schluß: "Zu wünschen ist jedenfalls, daß in der Öffentlichkeit, welche zu triumphieren scheint angesichts eines Urteils, das nach den Voraussetzungen, die unser Strafrecht dafür aufstellt, schärfer nicht sein konnte, auch Stimmen laut werden, die den Gerichten Mut machen, sich einem Strafrechts- und Strafprozeßrechtsverständnis zu öffnen, das Platz schafft für zusätzliche ernsthafte Expertisen, und die Verteidigung sollte sich dieser Entwicklung nicht im Namen jener - manchmal - angebrachten Devise von der liberalisierenden Funktion des Nichtwissens verschließen, sondern der Erfahrung vertrauen, daß à la longue die Geschichte des aufgeklärten, um Verstehen bemühten Strafprozesses auch die seiner fortschreitenden Humanisierung ist".

Übrigens, auch bei der FAZ zu lesen: "Wie der elfjährige Jakob von Metzler am 27.September vergangenen Jahres nach dem letzten Schultag vor den Herbstferien in eine Wohnung in Frankfurt-Sachsenhausen gelockt wurde und dort einen qualvollen Erstickungstod erlitt, wie der Bankiersfamilie das Erpresserschreiben in die Einfahrt geworfen und wenig später die Leiche als Paket verschnürt in einem Weiher im Vogelsberg versenkt wurde, wie der Täter anschließend bei den eigenen Eltern zu Mittag aß, als sei nichts geschehen - die Hauptverhandlung hat das Schreckensgemälde vervollständigen können."

Der "Weisse Ring" hat schon recht: "Stand schon während der Prozessberichterstattung die Person des Täters Magnus G. im Blickpunkt des öffentlichen Interesses, so muss die jüngst im Berliner Tagesspiegel erschienene und vom Vorsitzenden Richter einer Schwurgerichtskammer genehmigte Täterstory geradezu als Verhöhnung des Leids der Hinterbliebenen des Mordopfers empfunden werden."

An der Verhöhnung des Leids der Hinterbliebenen des Mordopfers hat sich auch das FAZ-Feuilleton beteiligt, wie schon beim Susan Sontag-Kommentar zum 11.9.01. Traurige Tradition.

Freitag, August 08, 2003

Der STERN: Simply the Worst

Tina Turner rühmt ihren Freund als "simply the best". Wir haben das genaue Gegenteil in der deutschen Medienszene: der STERN ist "simply the worst". Man kann nur den Hut ziehen vor der Fähigkeit von Andreas Petzold, STERN-Chefredakteur, ein Editorial zur amerikanischen Irak-Politik jenseits jeglichen Verständnisses für die strategischen Rahmenbedingungen des Konfliktes zu verfassen. In "148 000 Mann gegen Saddam Hussein" fehlt es an keinem Vorurteil gegenüber den Amerikanern:

"Ihn zur Strecke zu bringen scheint für die 148 000 uniformierten Amerikaner im Irak wichtiger zu sein als die Sorge um ein geschundenes Volk, wichtiger auch als die nachträgliche Rechtfertigung für einen fragwürdigen Krieg, dessen offizieller Grund ein Konstrukt aus Lügen war, das krachend zusammenbrach. Aber Bush klopft sich nur den Staub aus dem Anzug und gibt sich einem Allmachtsgefühl hin, das ihn gegen jede Form der Selbstkritik immunisiert. ... Ohne den Vorwand, Hussein verfüge über Massenvernichtungswaffen, hätte dieser Krieg wohl kaum begonnen werden können. Diese Lüge ist neuer, dauerhafter Brennstoff für die antiamerikanische Fackel in der arabisch-islamischen Welt. Sie sorgt schlimmstenfalls für neuen Zulauf in die Lager der bin Ladens dieser Welt. Und das macht aus dem militärischen Sieg eine moralische und politische Niederlage."

Petzold übersieht - er will es übersehen -, daß der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (und nicht ausschließlich die US-Regierung) stets die Vermutung hegte, der Irak Saddam Husseins verfüge über Massenvernichtungswaffen. Wenn diese Vermutung eine Lüge war, dann sind nicht nur die Regierung der USA, sondern auch die Deutschlands, Frankreichs und Russlands Lügner. Deutschland, Frankreich und Russland waren allerdings bereit, das Risiko "auszusitzen", die US-Regierung war es, aufgrund der Erfahrungen vom 11.9.01, nicht.

Inzwischen gibt es noch keine öffentlich gemachten Beweise für Massenvernichtungswaffen im Irak. Die Iraker hatten Flugzeuge im Sand vergraben - warum sollten sie das nicht auch mit Chemikalien zur Erstellung von Massenvernichtungswaffen gemacht haben? Allerdings gibt es jetzt schon jede Menge Beweise für Massengräber im Irak (vgl. dieses Blog vom 17.6.03).

Und es gibt Beweise für eine Entwicklung zum Guten im Irak - ein Faktum, das in den deutschen Medien quasi gewerbsmäßig verschwiegen wird. Die Versorgung mit Strom, Wasser, Benzin verbessert sich zunehmend. Viele Schulen und Kindergärten funktionieren wieder, ohne die Propaganda der Bath Partei. Und die Amerikaner werden in den Dörfern, die sie aufsuchen, von der Bevölkerung freundlich empfangen: "The work we do is very rewarding. We get to develop close relationships with people from all different levels in society. For many of these villages, we are the first U.S or Coalition forces they have ever seen. In every village we assess kids swarms us, asking a million questions that we can't understand. Our translator tries, but is overwhelmed. Everyone here does know at least three phrases in English: "Hello Mister!", "What is your name?", and "How old are you?". Once they say all that, they usually stare at you for a while. Everyone we have met has been very friendly, and very appreciative".

Übrigens ist das plötzliche Ableben der beiden Saddam-Söhne, über das bei deutschen Medien tiefe Betroffenheit eintrat, als Folge der US-Invasion auch nicht unbedingt ein Nachteil, wie diese beiden Videos einer Folterung durch Udai zeigen. Achtung: der download kann sich hinziehen (bei 64 Kbit/s so ca. 8 - 10 Minuten), und das Erlebnis ist nicht unbedingt aufbauend. Gut, dass der STERN seinen Lesern solche Szenen vorenthält...
Blogger mit Problemen (Fortsetzung)
Ich habe fast eine Woche mit dem bloggen ausgesetzt - die Probleme mit Blogger bzw. Blogspot waren die Ursache. Ausserdem gestalten sich die Einrichtungsarbeiten für den Wechsel zu einem neuen Provider etwas kompliziert... Aber in der nächsten Woche sollte es klappen!

Ich muß jetzt nach und nach die Meldungen ausarbeiten und einstellen, die sich in der letzten Woche angesammelt haben. Für mangelnde Aktualität im einen oder anderen Fall bitte ich um Verständnis.

Samstag, August 02, 2003

Test-Meldung / Blogger mit Problemen
Zur Zeit sind keine Einträge möglich. Ich bemühe mich, bis zum Wochenende ein neues Weblog unter einer anderen Adresse einzurichten.
Bitte schauen Sie wieder vorbei: ich trage dann hier die neue Web-Adresse ein.
BBC in Schwierigkeiten, aber bei uns merkt's keiner
In der Auseinandersetzung zwischen BBC und der Blair-Regierung (vgl. unser Blog vom 19., 20., 22.7.03) gibt es nun Nachrichten, die die BBC und ihren Reporter Andrew Gilligan in Schwierigkeiten bringen. Es ist eine Notiz von David Kelly aufgetaucht, die die Berichterstattung von Gilligan massiv in Zweifel zieht:

"His (Kelly's) letter said he could "only conclude one of three things" - Mr Gilligan had "considerably embellished" what he had been told, or had met other people who "truly were intimately associated" with the dossier, or had "assembled comments from both multiple direct and indirect sources"."

Kelly dementiert also, daß er als Quelle für den BBC-Bericht in Frage komme - das Gegenteil dessen, was die BBC behauptet.

Kommentar der "Financial Times": "If correct, this conclusion could prove very damaging for the BBC."

Von all' dem hat der SPIEGEL - nach Selbstauskunft ein "Synonym für investigativen Journalismus" - noch nichts bemerkt. Der SPIEGEL zirkuliert unverdrossen weiter die angebliche Kelly-Behauptung, von der dieser sich distanziert hatte: "So berichtete die BBC unter Berufung auf ihren Gewährsmann, dass Blairs Büro entgegen den Zweifeln von Experten darauf bestanden habe, zur Begründung des Irak-Kriegs darauf zu verweisen, dass der Irak innerhalb von 45 Minuten Massenvernichtungswaffen einsetzen könne."
Das beeindruckt mich an den angelsächsischen Medien (BBC ausgenommen): daß sie mitten in einer Kampagne gegen die Regierung auch einmal Tatsachen berichten, die gegen die zentrale These dieser Kampagne laufen. Aus Deutschland wäre derartiges nicht zu berichten. Da wird geholzt und gebolzt bis zum bitteren Ende oder bis eine andere Sau durch's Dorf getrieben wird - was immer zuerst kommt...

Freitag, August 01, 2003

Darauf bin ich schon ein wenig stolz...
Ich hatte meinen Eintrag vom 30.7.03 "Reuters landet kleinen Kampagnenjournalisten-Coup" an's Wall Street Journal gemailt, an die Rubrik "Best of the Web", natürlich in einer englischen Version. Freudige Überraschung: das WSJ hat meinen Hinweis in seinen Newsletter und auf die Web Site übernommen! Ob davon im Archiv unter dem 31.7.03 etwas verbleibt, wird man sehen müssen.

Reuters wird in der von mir initiierten Meldung vom Wall Street Journal als "the anti-American 'news' service" bezeichnet. Diese Amerikaner haben aber auch manchmal wirklich eine Art, die Dinge beim Namen zu nennen...

Ich kann übrigens den täglichen Newsletter "Best of the Web" nur empfehlen. Anmeldemöglichkeit hier, oben rechts ("Get via E-Mail").

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